Shakerato Rezept: der italienische Sommer in fünf Minuten

Blog

Shakerato Rezept: der italienische Sommer in fünf Minuten

AW
Andrea Wiencek 10 min Lesezeit

Sommer in Mailand, 32 Grad, eine Piazza kurz vor dem Abendessen. An der Bar steht ein Mann in weißem Hemd und sagt ein Wort zum Barista: "shakerato." Drei Sekunden später schüttelt der Chromshaker im Takt, dann fließt dunkelbrauner Schaum in ein Martini-Glas. Kein Sirup-Dispenser, keine Milchkanne, keine Gewürze. Drei Zutaten, fünfzehn Sekunden Shake, fertig.

Der Shakerato ist die kürzeste italienische Antwort auf Hitze und den Wunsch nach einem Espresso, der trotzdem noch Espresso bleibt. Kein Eiskaffee-Gewässer, kein Milchshake mit Kaffee-Note. Drei Zutaten, ein Shaker, ein Glas. Mehr braucht er nicht, um in norditalienischen Bars seit Jahrzehnten der Standard für den heißen Nachmittag zu sein.

Zuhause gelingt er genauso einfach. Fünf Minuten Zeit, ein Cocktail-Shaker, sechs Eiswürfel und ein frisch gebrühter Espresso. Der Rest ist Haltung bei der Bohne.

Direkt zum Rezept

Was ist ein Shakerato?

Ein Shakerato ist ein frisch gebrühter Espresso, der mit Eiswürfeln und Zucker in einem Cocktail-Shaker kräftig geschüttelt wird, bis eine dichte Schaumkrone entsteht. Durch ein Sieb in ein vorgekühltes Martini- oder Coupe-Glas abgeseiht, serviert man ihn ohne Eis. Der Drink ist kalt, cremig und trägt die Aromen des Espressos klarer als jede andere kalte Kaffee-Variante, weil er eben nicht mit Wasser oder Milch gestreckt wird.

Sein voller Name ist "caffè shakerato", eine italienische Erfindung mit englischer Lehnwort-Endung. Das Wort "shakerato" kommt direkt vom englischen "to shake" und ist selbst in Italien ein Fremdwort, das zu einem italienischen Klassiker geworden ist. Ausgesprochen wird es "scha-ke-RAH-to", mit der Betonung auf der dritten Silbe. Wer im Mailänder Bar-Slang auffallen will, sagt "un shakerato, per favore" – mehr Wörter braucht es nicht.

Die italienische Bar-Tradition dahinter

Der Shakerato entstand irgendwann in den 1980er-Jahren in norditalienischen Bars. Einen exakten Erfinder gibt es nicht, die plausibelste Geschichte: Barkeeper aus der Cocktail-Ecke wandten ihre Shaker-Technik auf den Espresso an, nachdem Gäste an heißen Nachmittagen nach einer kalten Variante fragten. Der Drink war schnell zubereitet, brauchte kein Spezialwerkzeug und passte in jede Bar-Routine.

Heute ist er in der italienischen Trinkkultur fest verankert. In Mailand, Turin und Bologna steht er auf fast jeder Espresso-Karte, wird aber selten vor Mittag bestellt. Der Shakerato ist ein Nachmittagsdrink, der die Lücke zwischen dem morgendlichen Espresso und dem abendlichen Aperitivo füllt. Sein kleiner Bruder, der Espresso Martini, wird dann aus denselben Grundzutaten plus Wodka und Kaffeelikör abends in Cocktail-Bars serviert.

Shakerato, Freddo Espresso und Eiskaffee: wo der Unterschied liegt

Drei kalte Kaffeedrinks, die gerne verwechselt werden. Die kurze Unterscheidung:

Getränk Herkunft Zubereitung Milch/Eis im Glas
Shakerato Italien, 1980er Espresso + Eis + Zucker geshakt, Eis wird abgeseiht Keine Milch, kein Eis im Servierglas
Freddo Espresso Griechenland, 1990er Espresso geshakt, über neue Eiswürfel gegossen Kein Milch, Eis im Servierglas
Eiskaffee (deutsch) Deutschland, 19. Jahrhundert Kalter Kaffee über Vanilleeis, mit Schlagsahne Eiscreme + Sahne
Iced Latte USA/Italien Mix, 1990er Espresso + kalte Milch über Eiswürfel Viel Milch + Eis im Glas

Der Shakerato ist der puristischste der vier. Er sagt ganz klar: der Espresso ist der Star. Wer tiefer in die Unterschiede zwischen griechischem Freddo und italienischem Shakerato eintauchen will, findet dazu mehr im Artikel zu Freddo Espresso.

Die Zutaten: drei, mehr nicht

Der Shakerato ist das minimalistischste Rezept im kalten Kaffee-Universum. Jede Zutat muss sitzen, weil es keine gibt, die schwächelnde Komponenten ausgleicht.

Espresso

Die Hauptzutat. Ein Shakerato ist genau so gut wie der Espresso, der reingeht. Ein Doppio (60 Milliliter) pro Glas ist der Standard, weil ein einfacher Espresso im Shaker durch das Eis zu stark verdünnt würde. Die Crema ist entscheidend, denn sie liefert die Schaumkrone. Wer keine Espressomaschine hat, nutzt eine Moka-Kanne auf dem Herd.

Eiswürfel

Sechs bis acht Würfel pro Glas. Genug, dass der Shaker beim Schütteln kräftig gekühlt wird, aber nicht so viel, dass die Flüssigkeit keinen Platz mehr hat. Das Eis wird am Ende abgeseiht, landet nicht im Glas.

Zucker

Ein bis zwei Teelöffel pro Glas. Rohrzucker funktioniert am besten, weil er im heißen Espresso schnell schmilzt. Der Zucker kommt direkt in den heißen Espresso, bevor das Eis dazukommt. Wer später süßt, bekommt ein Getränk mit nicht aufgelöstem Zucker am Glasboden.

Das Rezept

Für zwei Gläser. Dauer: fünf Minuten. Das Wichtigste: Espresso frisch, Shaker kalt, Hände kräftig.

 

Rezept

Shakerato

5 Minuten
2
Portionen
Einfach Schwierigkeit
Zutaten
  • 120 ml frisch gebrühter Espresso (2 Doppios)
  • 2 TL Rohrzucker
  • 12 Stück Eiswürfel
Zubereitung
  1. 1

    Zwei Martini- oder Coupe-Gläser für 10 Minuten ins Gefrierfach stellen.

  2. 2

    Zwei doppelte Espressi frisch brühen und direkt in den Cocktail-Shaker geben.

  3. 3

    Rohrzucker in den heißen Espresso geben und kurz umrühren, bis er komplett gelöst ist. Nur hier löst sich der Zucker sauber auf.

  4. 4

    Eiswürfel dazugeben, Shaker fest verschließen und 15 bis 20 Sekunden kraftvoll schütteln. Bis der Shaker außen komplett vereist ist.

  5. 5

    Durch ein Barsieb in die vorgekühlten Gläser abseihen. Das Eis bleibt im Shaker. Die cremige Schaumkrone landet oben auf dem Drink.

  6. 6

    Sofort servieren. Die Schaumkrone zerfällt nach ein bis zwei Minuten, genau wie die Crema eines frischen Espressos.

Empfohlen für dieses Rezept

Alessio Grand Milano Espresso

Jetzt kaufen

Welche Bohnen den Shakerato erst zum Shakerato machen

Beim Shakerato gibt es keinen Platz zum Verstecken. Keine Milch, kein Sirup, kein Schlagsahne-Vorhang. Der Drink besteht zu 90 Prozent aus Espresso, und jede Eigenart der Bohne kommt ungefiltert durch. Eine säurebetonte Third-Wave-Bohne aus Äthiopien wird kalt schnell zu Essig, eine zu milde Supermarkt-Mischung verschwindet gegen das Eis. Gefragt ist eine klassisch italienische Röstung mit Robusta-Anteil, viel Crema und klaren Schoko-Karamell-Noten. Wer mehr über den Unterschied zwischen den beiden Hauptbohnensorten wissen will, findet das im Artikel Arabica vs. Robusta.

Alessio Grand Milano Espresso

Die ideale Bohne für den Shakerato. Langsame italienische Röstung, dichte Crema, Aromen von dunkler Schokolade und Haselnuss. Die Crema hält auch nach dem Schütteln stabil und setzt sich als dichte Schaumkrone auf dem Glas ab. Alessio Grand Milano Espresso hier kaufen →

Varianten: von süß bis alkoholisch

Das klassische Rezept ist perfekt, wie es ist. Vier Abwandlungen sind trotzdem so verbreitet, dass sie eigene Namen verdienen.

Shakerato dolce (mit Vanillesirup)

Statt Rohrzucker kommt ein Teelöffel Vanillesirup in den heißen Espresso. Der Drink wird deutlich süßer und bekommt eine weiche Bäckerei-Note, die besonders bei heißen Nachmittagen gut funktioniert.

Shakerato corretto (mit Grappa oder Sambuca)

Die klassisch italienische Alkohol-Variante. "Corretto" bedeutet übersetzt "korrigiert" und bezeichnet in Italien jeden Espresso mit einem Schuss Spirituose. 10 Milliliter Grappa, Sambuca oder Amaretto kommen mit dem Espresso in den Shaker. Der Drink wandert damit vom Kaffee in die Aperitivo-Welt und konkurriert geschmacklich mit dem Espresso Martini, bleibt aber trockener.

Shakerato al Campari (der bittersüße Sommer-Hybrid)

Statt Grappa kommen 15 Milliliter Campari mit dem Espresso in den Shaker. Das Ergebnis ist ein dunkler, bitter-süßer Drink, der zwischen Espresso und Aperitif steht. Besonders gut als Start in einen langen Sommerabend auf der Terrasse. Wer Negroni mag, wird den Shakerato al Campari lieben.

Shakerato alla nocciola (Haselnuss)

Haselnusssirup statt Zucker, ergibt einen Drink, der wie flüssiges Gianduia schmeckt. Sehr süß, aber ein ehrlicher Kompromiss für alle, die kalte Espresso-Drinks eigentlich zu bitter finden.

Shakerato amaro (ohne Zucker)

Die puristischste Variante. Kein Zucker, nur Espresso und Eis. Funktioniert nur mit einer sehr hochwertigen Bohne, weil jede Bitternote verstärkt wird. Für erfahrene Espresso-Trinker ist das die ehrlichste Form des Drinks.

Die häufigsten Stolperfallen beim Shakerato

Vier kleine Dinge entscheiden, ob der Drink eine Schaumkrone bekommt oder zu braunem Wasser wird.

Zucker kalt einrühren

Rohrzucker löst sich im kalten Espresso nicht mehr sauber auf. Wer vergisst, den Zucker im heißen Espresso umzurühren, findet ihn am Ende als kristalline Schicht am Boden des Glases. Immer zuerst Zucker in den heißen Espresso, dann erst das Eis.

Zu wenig Eis im Shaker

Sechs Würfel pro Glas sind das Minimum. Wer den Shaker nur halb füllt, bekommt keinen Temperaturschock für den Espresso und damit keine cremige Schaumkrone. Shaker ist ein Werkzeug, das Fülle braucht, um zu funktionieren.

Zu kurz geschüttelt

15 Sekunden sind das Minimum. 20 Sekunden sind besser. Der Shaker muss außen so kalt werden, dass man ihn kaum noch halten kann. Halbherziges Schütteln gibt halbherzigen Shakerato.

Espresso zu lange stehen lassen

Ein Shakerato lebt von der Crema, die beim Brühen entsteht. Wer den Espresso erst abkühlen lässt und dann shaked, verliert die Schaumbasis. Direkt von der Maschine in den Shaker, Zucker rein, umrühren, Eis dazu. Die gesamte Aktion dauert keine Minute.

Shakerato im Sommer-Repertoire

Der Shakerato ist kein komplexer Drink, sondern ein ehrlicher. Genau das macht ihn zum idealen Einstieg in die italienische Kaffeekultur des Nachmittags. Wer ihn beherrscht, hat gleichzeitig die Grundlage für den Espresso Martini, den Freddo Espresso und den Affogato gelegt. Alle vier Drinks basieren auf derselben Idee: ein starker italienischer Espresso, der im kalten Kontext seinen Charakter behält.

Und wer den Shakerato einmal zuhause macht, wird nach der zweiten Erfahrung feststellen, dass die Versionen in den meisten deutschen Cafés mit zu wenig Espresso und zu viel Eis arbeiten. Zuhause bleibt der Drink das, was er in einer Mailänder Bar ist: konzentriert, cremig und nicht länger als ein paar Schlucke.

Häufige Fragen zum Shakerato

Wie macht man einen Shakerato?

Ein Shakerato entsteht in drei Schritten. Zuerst einen doppelten Espresso frisch brühen und direkt mit Rohrzucker in einem Cocktail-Shaker verrühren, damit sich der Zucker im heißen Kaffee auflöst. Dann sechs bis acht Eiswürfel in den Shaker geben, fest verschließen und 15 bis 20 Sekunden kraftvoll schütteln. Zum Schluss durch ein Barsieb in ein vorgekühltes Martini- oder Coupe-Glas abseihen. Das Eis bleibt im Shaker, serviert wird der Drink ohne zusätzliches Eis.

Was ist Café Shakerato in Italien?

In Italien ist der Café Shakerato, korrekt geschrieben "caffè shakerato", ein klassischer Nachmittagsdrink in Bars und Cafés, besonders in Norditalien. Er besteht aus einem doppelten Espresso, Zucker und Eiswürfeln, die gemeinsam in einem Cocktail-Shaker geschüttelt werden. Das Ergebnis ist ein kalter, cremiger Espresso mit dichter Schaumkrone, der in einem Martini-Glas ohne Eis serviert wird. In Mailand, Turin und Bologna steht er auf fast jeder Espressokarte und wird typischerweise zwischen Mittagessen und Aperitivo-Stunde bestellt.

Was ist Caffè Shakerato?

Caffè Shakerato ist die italienische Bezeichnung für einen geshakten kalten Espresso. Das Wort kombiniert das italienische "caffè" mit einer italianisierten Form des englischen "to shake". Der Drink besteht aus frisch gebrühtem Espresso, Rohrzucker und Eiswürfeln, die 15 bis 20 Sekunden in einem Cocktail-Shaker geschüttelt werden. Anschließend wird er durch ein Sieb in ein vorgekühltes Martini-Glas abgeseiht, das Eis bleibt im Shaker zurück.

Was gehört in einen Affogato?

Ein Affogato besteht aus zwei Zutaten: einer Kugel Vanilleeis und einem heißen, frisch gebrühten Espresso, der direkt über das Eis gegossen wird. Das italienische Wort "affogato" bedeutet "ertränkt" und beschreibt das Bild, das beim Einschenken entsteht. Serviert wird er in einem kleinen Glas oder einer Kaffeetasse mit einem Löffel. Das komplette Rezept mit Varianten findet sich im Artikel zum Affogato.

Unsere Haltung zum Shakerato

Der Shakerato ist einer der wenigen Kaffeedrinks, bei denen die italienische Einfachheit mehr zählt als jede Erweiterung. Drei Zutaten, ein Shaker, ein Glas. Wer an einer dieser drei Stellen spart, bekommt kein kalteres Getränk, sondern ein schlechteres. Die Bohne entscheidet alles, weil es nichts anderes gibt, das den Drink mittragen würde.

Zuhause gelingt er mit der richtigen italienischen Röstung besser als in vielen deutschen Cafés, wo er oft mit zu viel Eis und zu wenig Espresso gestreckt wird. Wer ihn einmal mit einem ernsthaften italienischen Espresso wie dem Alessio Grand Milano gemacht hat, versteht, warum er in Mailand ein Standard ist und keine Spezialität.

Und wer ihn mit anderen kalten Kaffee-Getränken vergleichen will, schaut am besten auch in die Rezepte für Eiskaffee und Frappuccino. Die drei zusammen ergeben ein kleines Sommer-Curriculum der Kaffeekultur, von puristisch bis süß.