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Barraquito: das Rezept aus Teneriffa mit allen vier Schichten

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Andrea Wiencek 10 min Lesezeit

Jeder kennt jemanden, der seinen Kaffee so bestellt, dass die Bedienung innerlich kurz die Augen schließt. Hafermilch, aber nur halb aufgeschäumt. Sirup extra. Bitte in dem anderen Glas.

Auf Teneriffa hat es einer dieser Menschen zur Unsterblichkeit gebracht.

Er hieß angeblich Sebastián Rubio, genannt Barraquito. In den Fünfzigern saß er regelmäßig in der Bar Imperial in Santa Cruz. Seine Bestellung: gezuckerte Kondensmilch, ein Schuss Licor 43, Espresso, Milchschaum, obendrauf Zitronenschale und Zimt. Jedes Mal dasselbe. Irgendwann hörte die Bar auf zu fragen und schrieb es einfach auf die Karte.

Die Bar gibt es heute noch. Den Kaffee auch, inzwischen auf jeder kanarischen Insel. Was ihn so besonders macht, sind seine vier sauber getrennten Schichten. Und das Erste, was ein Kanarier damit macht, ist umrühren.

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Was ist ein Barraquito?

Ein Barraquito ist eine Kaffeespezialität von den Kanarischen Inseln, die aus vier Schichten in einem hohen Glas besteht: gezuckerte Kondensmilch unten, darüber Licor 43, dann Espresso, obenauf Milchschaum. Garniert wird er mit einem Streifen Zitronenschale und etwas Zimt. Serviert wird er in einem hitzebeständigen Glas von etwa 250 ml, nie in einer Tasse.

Die Schichten halten, weil die Zutaten unterschiedlich dicht sind. Gezuckerte Kondensmilch ist schwer und bleibt unten. Der Likör ist leichter, der Espresso noch leichter, der Milchschaum am leichtesten. Wer die oberen Schichten über einen umgedrehten Löffel ins Glas laufen lässt, bremst sie so weit ab, dass sie sich nicht untermischen.

Wörtlich heißt Barraquito übrigens „kleine Hütte", ein Diminutiv von barraca. Mit dem Getränk hat das nichts zu tun, es war schlicht der Spitzname des Mannes, der ihn immer bestellte.

Ob die Geschichte um Sebastián Rubio wirklich so stimmt, ist nicht belegt. Es gibt eine zweite Version, in der ein Barkeeper namens Manolo Grijalbo den Kaffee erfunden hat. Kanarische Quellen räumen selbst ein, dass sich keine der beiden sauber belegen lässt. Sicher ist nur der Ort: Santa Cruz de Tenerife, Mitte des vergangenen Jahrhunderts.

Barraquito oder Barraquito especial? Der Streit um den Likör

Hier wird es kompliziert. Kein deutscher Artikel erklärt es. Auf Teneriffa bekommst du heute je nach Bestellung zwei verschiedene Getränke:

Bestellung Was du bekommst
Barraquito Kondensmilch, Espresso, Milchschaum, Zitrone, Zimt. Ohne Alkohol.
Barraquito especial (auch „completo") Dasselbe plus Licor 43.
Zaperoco Regionaler Name im Norden Teneriffas, meint die Variante mit Likör.
Leche y leche Nur Kaffee, Kondensmilch und Milch. Kein Zimt, keine Zitrone, kein Likör.

Das ist allerdings eine junge Unterscheidung. Auf den Kanaren wird darüber tatsächlich gestritten. Ältere Gäste bestehen darauf, dass ein Barraquito immer schon mit Likör war und die Version ohne Alkohol gefälligst einen eigenen Namen braucht. Auf TikTok bringt es ein kanarischer Kellner auf den Punkt: Wenn heute jemand einen Barraquito bestellt, wisse er nicht mehr, was er servieren solle.

Für dich zuhause heißt das vor allem eins: Beide Versionen sind richtig. Und wenn du auf Teneriffa sichergehen willst, bestellst du den Zusatz einfach mit.

Das Rezept

Ein Hinweis vorweg, weil es in vielen Rezepten falsch steht: 15 bis 20 ml Licor 43 reichen völlig. Manche Anleitungen nennen 60 ml, das sind drei Schnapsgläser und macht aus dem Kaffee einen Absacker. Auf Teneriffa gießt der Kellner einen kurzen Schluck ein, mehr nicht.

 

Rezept

Barraquito especial

5 Minuten
1
Portionen
Mittel Schwierigkeit
Zutaten
  • 20 ml gezuckerte Kondensmilch
  • 15 ml Licor 43
  • 30 ml Espresso (frisch gebrüht)
  • 100 ml Vollmilch (für den Schaum)
  • 1 Streifen Zitronenschale (unbehandelt)
  • 1 Prise Zimt
Zubereitung
  1. 1

    Ein hohes hitzebeständiges Glas mit heißem Wasser vorwärmen. Kaltes Glas plus heißer Espresso ist ein Risiko, das niemand braucht.

  2. 2

    Kondensmilch ins Glas geben. Sie bleibt als schwerste Zutat von allein unten liegen.

  3. 3

    Licor 43 langsam über die Rückseite eines Teelöffels einlaufen lassen, damit er sich nicht mit der Kondensmilch mischt.

  4. 4

    Espresso frisch brühen und ebenfalls über den Löffelrücken eingießen. Jetzt liegen drei Schichten sauber übereinander.

  5. 5

    Milch auf etwa 65 °C aufschäumen und vorsichtig aufsetzen. Der Schaum bildet die vierte Schicht.

  6. 6

    Zitronenschale ans Glas geben, Zimt darüberstäuben. Löffel dazulegen, denn vor dem ersten Schluck wird umgerührt.

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Wie trinkt man einen Barraquito richtig?

Umrühren. Trotz aller Sorgfalt beim Schichten wird ein Barraquito vor dem ersten Schluck durchgerührt, deshalb liegt in jeder kanarischen Bar ein Löffel daneben. Die Schichten sind Optik, kein Trinkkonzept.

Das klingt nach Verschwendung, ergibt aber Sinn: Ungerührt trinkst du zuerst lauwarmen Schaum, dann bitteren Espresso. Am Ende wartet unten eine Pfütze aus purer Kondensmilch. Erst gemischt entsteht das, worum es eigentlich geht, ein süßer, vanilliger Milchkaffee mit einer Zitrusspitze obendrauf.

Getrunken wird er auf den Kanaren meist am Nachmittag, als kleines Dessert. Als Frühstückskaffee ist er selbst den Einheimischen zu mächtig.

Welcher Kaffee passt in den Barraquito?

Ein Barraquito braucht einen kräftigen, dunkel gerösteten Espresso. Er muss sich gegen gezuckerte Kondensmilch und Likör behaupten. Das schafft nur eine Bohne mit ordentlich Körper und Röstaromen. Eine helle, säurebetonte Röstung geht in dieser Süße schlicht unter.

Ein Anteil Robusta hilft zusätzlich, weil er für mehr Körper und eine stabilere Crema sorgt. Warum das so ist, steht im Vergleich Arabica vs. Robusta. Und wer wissen will, warum dunkle Röstungen in Milchgetränken generell besser funktionieren, findet die Erklärung im Artikel zum Röstgrad Kaffee.

Unsere Empfehlung ist der Grand Milano Espresso von Alessio, eine kräftige Mailänder Röstung, die auch durch viel Milch noch klar erkennbar bleibt. Passende Kaffeebohnen für den Barraquito findest du in unserer Auswahl, die komplette Reihe steht in der Alessio Collection.

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Häufige Fehler beim Barraquito

Die falsche Kondensmilch

Es muss gezuckerte Kondensmilch sein, auf Spanisch leche condensada, wie sie in der Tube oder Dose verkauft wird. Die ungezuckerte Kaffeesahne aus dem Kühlregal ist zu dünn, sie sinkt nicht ab und bildet keine Schicht. Auf den Kanaren steht in fast jeder Bar dieselbe Dose von La Lechera.

Zu viel Likör

15 bis 20 ml sind genug. Wer den Angaben mancher Rezepte folgt und 60 ml eingießt, bekommt kein Kaffeegetränk mehr, sondern einen Likör mit Kaffeearoma.

Die Schichten werden zu schnell eingegossen

Ohne den umgedrehten Löffel prallt der Espresso direkt in die Kondensmilch und alles vermischt sich sofort. Langsam über den Löffelrücken laufen lassen, dann bleibt die Trennung sauber.

Eine Tasse statt eines Glases

Der Barraquito lebt von den sichtbaren Schichten. In einer Porzellantasse siehst du nichts davon. Ein wesentlicher Teil des Getränks fällt damit weg. Ein hohes, hitzebeständiges Glas mit rund 250 ml ist richtig.

Der Milchschaum ist zu fest

Steifer Cappuccino-Schaum sitzt wie ein Deckel obenauf und lässt sich später kaum unterrühren. Der Schaum soll cremig und noch fließfähig sein, ähnlich wie beim Flat White.

Varianten des Barraquito

Barraquito alkoholfrei

Einfach den Likör weglassen. Auf Teneriffa ist genau das inzwischen die Standardbestellung, wenn man nur „Barraquito" sagt. Wer die Vanillenote des Licor 43 vermisst, gibt einen Spritzer Vanillesirup dazu.

Zaperoco

Im Norden Teneriffas, etwa rund um Puerto de la Cruz, heißt der Barraquito mit Likör Zaperoco. Das Wort bedeutet so viel wie Krach oder Radau. Ob es ursprünglich aus Venezuela stammt, darüber diskutieren die Kanarier bis heute.

Leche y leche

Der kleine Bruder, wörtlich „Milch und Milch": Espresso, gezuckerte Kondensmilch und normale Milch, sonst nichts. Kein Zimt, keine Zitrone, kein Likör. Wer den Barraquito zu üppig findet, ist hiermit gut bedient.

Mit anderen Likören

Licor 43 ist das Original, seine Vanillenote passt zur Kondensmilch. Tia Maria bringt mehr Kaffeearoma, Baileys macht das Glas noch cremiger. Beides ist kein Barraquito mehr im strengen Sinn, schmeckt aber gut.

Kalorien und Koffein im Barraquito

Ein Barraquito especial kommt auf etwa 180 kcal. Der größte Teil davon steckt in der gezuckerten Kondensmilch und im Likör, nicht im Kaffee. Beim Koffein liegt er bei rund 60 bis 80 mg, also bei genau einem Espresso.

Variante Kalorien (Schätzung) Koffein
Barraquito especial (mit Licor 43) ca. 180 kcal 60 bis 80 mg
Barraquito ohne Alkohol ca. 135 kcal 60 bis 80 mg
Leche y leche ca. 120 kcal 60 bis 80 mg
Espresso pur zum Vergleich ca. 2 kcal 60 bis 80 mg

Die Werte sind gerechnet für 20 ml gezuckerte Kondensmilch, 15 ml Licor 43 und 100 ml Vollmilch. Wer mit fettarmer Milch arbeitet, kommt rund 25 kcal niedriger heraus.

Häufige Fragen zum Barraquito

Was ist im Barraquito drin?

Im Barraquito sind gezuckerte Kondensmilch, Espresso und aufgeschäumte Milch, dazu ein Streifen Zitronenschale und etwas Zimt. In der Variante „Barraquito especial" kommt außerdem Licor 43 hinein, ein spanischer Vanillelikör. Die Zutaten werden in dieser Reihenfolge geschichtet, sodass vier sichtbare Lagen im Glas entstehen.

Wie trinkt man Barraquito richtig?

Umgerührt. Die vier Schichten sind zwar sorgfältig aufgebaut, werden vor dem ersten Schluck aber mit dem mitservierten Löffel vermischt. Ungerührt bekommst du zuerst nur Milchschaum, dann bitteren Espresso und zum Schluss reine Kondensmilch. Erst durch das Umrühren entsteht der süße, vanillige Milchkaffee, um den es eigentlich geht. Getrunken wird er meist nachmittags als kleines Dessert.

Was ist ein Barraquito auf Teneriffa?

Auf Teneriffa ist der Barraquito das klassische Nachmittagsgetränk und in praktisch jeder Bar zu bekommen. Wichtig ist die Bestellung: „Barraquito" allein meint dort heute meist die Version ohne Alkohol, „Barraquito especial" oder „completo" die Version mit Licor 43. Im Norden der Insel heißt die Likörvariante außerdem Zaperoco. Entstanden ist das Getränk Mitte des 20. Jahrhunderts in Santa Cruz de Tenerife.

Was bedeutet Barraquito auf Deutsch?

Wörtlich übersetzt heißt Barraquito „kleine Hütte", es ist die Verkleinerungsform des spanischen Wortes barraca. Mit dem Getränk hat die Bedeutung nichts zu tun. Der Name geht der Überlieferung nach auf den Spitznamen eines Stammgastes zurück, der diesen Kaffee in Santa Cruz de Tenerife immer auf dieselbe Art bestellte.

Welche Kondensmilch für Barraquito?

Gezuckerte Kondensmilch, auf Spanisch leche condensada. Sie ist dickflüssig und süß und bildet deshalb die stabile unterste Schicht. Ungezuckerte Kondensmilch oder Kaffeesahne funktionieren nicht, sie sind zu dünn und vermischen sich sofort mit dem Kaffee. Auf den Kanaren ist La Lechera von Nestlé die verbreitetste Marke, in Deutschland eignet sich jede gezuckerte Kondensmilch aus der Tube oder Dose.

Welches Glas braucht man für einen Barraquito?

Ein hohes, hitzebeständiges Glas mit etwa 250 ml Fassungsvermögen. Auf den Kanaren wird oft ein schlichtes Longdrinkglas verwendet, ein Latte-Macchiato-Glas funktioniert genauso gut. Wichtig ist ein schmales, hohes Glas, damit die vier Schichten deutlich zu sehen sind. Hitzebeständig muss es außerdem sein.

Warum sich die Mühe lohnt

Vier Schichten, ein umgedrehter Löffel, Zitronenschale und Zimt. Und dann kommt der Löffel und macht in drei Sekunden alles wieder zunichte.

Genau darin liegt der Charme dieses Getränks. Der Barraquito ist kein Instagram-Kaffee, auch wenn er so aussieht. Er ist der Kaffee eines Mannes, der genau wusste, wie er ihn haben wollte. Und der so lange dabei blieb, bis eine ganze Insel es ihm nachmachte. Wer ihn einmal richtig gebaut hat, versteht, warum sich in Santa Cruz niemand über eine komplizierte Bestellung beschwert.