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Cappuccino: das Rezept, die Drittel-Regel und der perfekte Milchschaum

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Andrea Wiencek 11 min Lesezeit

In Italien erkennt man Touristen nicht am Sonnenbrand und nicht an der Kamera. Man erkennt sie daran, dass sie um halb vier nachmittags einen Cappuccino bestellen.

Für Italiener ist der Cappuccino ein Frühstücksgetränk. Nach elf Uhr trinkt ihn kaum jemand. Wer es doch tut, bekommt ihn zwar serviert, aber mit einem Blick. Zu viel Milch auf einen vollen Magen, so die ungeschriebene Regel.

Der meistgetrunkene Milchkaffee der Welt ist in seiner Heimat also vor allem eins: pünktlich.

Was einen echten Cappuccino ausmacht, ist trotzdem keine Uhrzeit, sondern der Schaum. Und ausgerechnet die berühmteste Regel dazu, die Drittel-Regel, ist unter Fachleuten umstritten. Fangen wir damit an.

Direkt zum Rezept

Was ist ein Cappuccino?

Ein Cappuccino ist ein italienisches Kaffeegetränk aus einem Espresso und aufgeschäumter Milch, serviert in einer Tasse von etwa 150 bis 160 ml. Die offizielle Norm des Istituto Nazionale Espresso Italiano nennt 25 ml Espresso und rund 100 ml aufgeschäumte Milch. Oben schließt eine feinporige Milchschaumschicht das Getränk ab.

Der Name hat nichts mit der Schaumhaube zu tun, auch wenn das naheliegt. Cappuccino ist die Verkleinerungsform von „cappuccio", der Kapuze. Gemeint ist die Farbe: Das Braun der Kapuzinermönchskutte trifft ziemlich genau den Ton, den Espresso und Milch zusammen ergeben. Der Ursprung liegt laut Wikipedia beim Wiener Kapuziner, einem Mokka mit Schlagobers, den österreichische Soldaten im 19. Jahrhundert nach Norditalien brachten. Die moderne Espressoform entstand erst mit der Siebträgermaschine in den 1930er Jahren.

Und ein Detail, an dem sich echte von touristischen Cappuccinos trennen: Der Schaum ist keine feste Zipfelmütze, die über den Tassenrand ragt. Er ist halbflüssig, cremig, ungefähr wie halb geschlagene Sahne. Wer einen steifen Schaumberg serviert bekommt, hat einen Cappuccino für Nicht-Italiener vor sich.

Die Drittel-Regel: stimmt sie überhaupt?

Fast jede Anleitung nennt die Drittel-Regel: ein Drittel Espresso, ein Drittel Milch, ein Drittel Schaum. Sie ist eine gute Eselsbrücke, um sich die Balance zu merken. Als Bauanleitung ist sie trotzdem irreführend. Die deutsche Wikipedia nennt sie sogar rundheraus unsinnig.

Der Grund: Milch und Schaum kommen nicht getrennt in die Tasse. Du gießt aufgeschäumte Milch ein. Die trennt sich erst im Glas, unten die flüssige Milch, oben eine Schaumschicht von ein bis zwei Zentimetern. Niemand dosiert drei säuberliche Drittel. Die offizielle italienische Norm spricht deshalb gar nicht von Dritteln, sondern von 25 ml Espresso und etwa 100 ml Milch, aus der sich der Schaum von selbst ergibt.

Merk dir die Drittel-Regel also als Bild, nicht als Rezept. Das echte Verhältnis steht im Rezept weiter unten.

Cappuccino, Latte Macchiato oder Flat White: der Unterschied

Alle drei bestehen aus Espresso und Milch. Der Unterschied liegt in der Menge der Milch, der Art des Schaums und im Gefäß. Diese Tabelle sortiert die Familie:

Merkmal Cappuccino Latte Macchiato Flat White
Espresso 1 Shot (25 ml) 1 Shot (25 ml) 2 Shots (50 ml)
Milch ca. 100 ml ca. 200 ml ca. 110 ml
Schaum dicht, cremig, 1 bis 2 cm feste hohe Haube dünner Mikroschaum
Gefäß Tasse, 150 bis 160 ml hohes Glas flache Tasse
Optik gleichmäßig braun drei Schichten kaffeebetont, wenig Schaum
Charakter Balance aus Kaffee und Milch Milch führt Kaffee führt

 

Kurz gesagt: Der Latte Macchiato ist das mildeste der drei, weil er am meisten Milch enthält. Der Flat White ist das kräftigste, weil er zwei Espressi auf wenig Milch setzt. Der Cappuccino liegt genau dazwischen. Und genau das ist sein Reiz. Wer die Schaumtechnik dahinter verstehen will, findet mehr im Artikel zum Flat White.

Und wer Kaffee und Milch lieber ganz ohne Schaum mag, ist beim Café au Lait richtig, dem französischen Milchkaffee.

Das Rezept

Ein Cappuccino besteht aus zwei Handgriffen. Der zweite ist der schwierigere. Der Espresso ist Routine. Der Milchschaum entscheidet. Deshalb steht direkt nach dem Rezept ein eigener Abschnitt nur zur Schaumtechnik.

 

Rezept

Cappuccino

5 Minuten
1
Portionen
Mittel Schwierigkeit
Zutaten
  • 9 g Espressobohnen (fein gemahlen)
  • 25 ml Espresso (Ausbeute)
  • 120 ml kalte Vollmilch (3,5 % Fett)
Zubereitung
  1. 1

    Eine 150 bis 160 ml fassende Tasse mit heißem Wasser vorwärmen und das Wasser auskippen.

  2. 2

    Einen einzelnen Espresso aus etwa 9 g fein gemahlenem Kaffee direkt in die Tasse beziehen.

  3. 3

    Kalte Vollmilch aufschäumen, bis sie glänzt und keine großen Blasen mehr zeigt. Ziel sind 60 bis 65 °C.

  4. 4

    Die Kanne kurz schwenken, damit der Schaum flüssig bleibt, dann die Milch mittig in den Espresso gießen.

  5. 5

    Zum Schluss etwas höher gießen, damit sich die Schaumschicht von ein bis zwei Zentimetern oben absetzt.

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Milchschaum: der eigentliche Trick

Der Cappuccino steht und fällt mit dem Milchschaum. Er soll dicht und cremig sein, ohne grobe Blasen. Und er muss sich beim Eingießen mit dem Espresso verbinden statt obenauf zu thronen. Drei Dinge entscheiden darüber.

Erstens die Milch. Kalte Vollmilch mit 3,5 Prozent Fett schäumt am stabilsten, weil Fett und Eiweiß zusammen den feinen Schaum tragen. Magermilch wird trocken und grobporig. Zweitens die Temperatur: nicht über 65 bis 70 Grad, sonst schmeckt die Milch gekocht und der Schaum fällt zusammen. Drittens die Bewegung: Beim Aufschäumen zieht man nur kurz Luft ein, ein paar Sekunden, danach wird die Milch nur noch gewirbelt, bis ein glänzender Strudel entsteht. Dieser Glanz ist das Zeichen für gelungenen Mikroschaum.

Ein einfacher Test: Ein Löffel, den du kurz auf die Oberfläche legst, sollte einen Moment liegen bleiben, ohne einzusinken. Dann stimmt die Konsistenz.

Wir haben das in unserer eigenen Testreihe mit dem Alessio Grand Milano nachgemessen. Bei 60 bis 65 Grad blieb der Schaum cremig und glänzend. Ab 72 Grad wurde er grobporig und die Milch schmeckte deutlich kochig. Die zwei Grad Unterschied entscheiden mehr als jede teure Maschine.

Cappuccino ohne Maschine

Auch ohne Siebträgermaschine gelingt ein ordentlicher Cappuccino. Den Kaffee zieht man aus einer Moka-Kanne, die einen espressoähnlichen, kräftigen Kaffee liefert. Für den Schaum gibt es drei Wege: einen elektrischen Milchaufschäumer, einen Handschäumer mit Batterie oder den French-Press-Trick. Dazu warme Milch in die French Press geben und den Stempel etwa zwanzigmal zügig auf und ab pumpen, bis der Schaum cremig ist.

Das Ergebnis kommt nicht ganz an einen Siebträger heran, ist aber deutlich näher am Original als jedes Fertigpulver. Wichtiger als die Maschine ist ohnehin die Bohne. Frische Kaffeebohnen machen den größeren Unterschied als jedes Gerät.

Welche Bohnen passen zum Cappuccino?

Ein Cappuccino braucht eine dunkle Espressoröstung mit Körper. Der Kaffee muss sich gegen rund 100 ml Milch behaupten. Das schafft eine kräftige, schokoladig-nussige Röstung besser als eine helle Bohne, wie der Artikel zum Röstgrad Kaffee im Detail zeigt.

Ein Anteil Robusta ist hier ausdrücklich ein Vorteil, kein Makel: Er sorgt für die stabile Crema, die den Kaffee durch die Milch trägt. Warum das so ist, steht im Vergleich Arabica vs. Robusta.

Unsere Empfehlung ist der Grand Milano Espresso von Alessio, eine dunkle Mailänder Röstung mit genug Kraft für die Milch. Passende Espressobohnen für den Cappuccino findest du in unserer Auswahl.

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Warum trinkt man in Italien keinen Cappuccino nach dem Essen?

Weil die Italiener Milch für schwer verdaulich halten, besonders nach einer vollen Mahlzeit. Der Cappuccino gilt deshalb als Frühstücksgetränk, das man bis spätestens am späten Vormittag trinkt. Nach dem Mittag- oder Abendessen bestellt man einen Espresso, nie einen Milchkaffee.

Ob das ernährungswissenschaftlich haltbar ist, steht auf einem anderen Blatt. Dieselben Menschen essen Tiramisu und Lasagne zu jeder Tageszeit, beides voller Milch und Sahne. Die Regel ist also weniger Physiologie als Kultur, ein Ritual, das den Tag ordnet. Zuhause darfst du deinen Cappuccino natürlich trinken, wann du willst. In einer Bar in Rom würde ich um vier Uhr trotzdem einen Espresso bestellen.

Häufige Fehler beim Cappuccino

Der Schaum ist zu fest

Die steife Zipfelmütze, die über den Rand ragt, ist der häufigste Fehler. Guter Cappuccino-Schaum ist halbflüssig und cremig, nicht steif. Zu viel Luft beim Aufschäumen macht ihn trocken und grob.

Die Milch ist zu heiß

Über 70 Grad schmeckt die Milch gekocht und verliert ihre natürliche Süße. Ohne Thermometer gilt: Wenn du die Kanne nicht mehr in der Hand halten kannst, ist es zu spät.

Magermilch statt Vollmilch

Fettarme Milch ergibt einen trockenen, grobporigen Schaum. Für die cremige Konsistenz braucht es das Fett der Vollmilch oder eine gute Barista-Hafermilch.

Die Tasse ist zu groß

In einer 300-ml-Tasse ertrinkt der einzelne Espresso in der Milch. Ein Cappuccino gehört in eine Tasse von 150 bis 160 ml, sonst kippt die Balance zugunsten der Milch.

Kakao als Standard

Ein italienischer Cappuccino kommt ohne Kakaopulver. Wer mag, kann bestäuben, aber das Original lebt allein von Kaffee und Milch.

Varianten des Cappuccino

Cappuccino freddo

Die kalte Sommerversion, vor allem in Griechenland verbreitet. Espresso und kalte Milch werden geschüttelt oder gemixt, bis eine kühle Schaumkrone entsteht.

Nass oder trocken (wet und dry)

Ein nasser Cappuccino (wet) hat mehr flüssige Milch und weniger Schaum, ein trockener (dry) mehr Schaum und weniger Milch. In gut geführten Cafés kannst du das so bestellen.

Cappuccino chiaro und scuro

Chiaro heißt hell, mit etwas mehr Milch, scuro heißt dunkel, mit weniger Milch und dominanterem Espresso. Zwei kleine Stellschrauben für den eigenen Geschmack.

Kalorien und Koffein im Cappuccino

Ein klassischer Cappuccino mit Vollmilch kommt auf etwa 80 kcal, fast alles davon aus der Milch. Beim Koffein liegt er bei rund 60 bis 80 mg, also bei einem einzelnen Espresso. Zur Einordnung: Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hält bis zu 400 mg Koffein pro Tag für gesunde Erwachsene für unbedenklich. Drei bis vier Cappuccino liegen also im grünen Bereich.

Variante (ca. 150 ml) Kalorien Koffein
Cappuccino, Vollmilch ca. 80 kcal 60 bis 80 mg
Cappuccino, fettarme Milch ca. 55 kcal 60 bis 80 mg
Cappuccino, Hafermilch ca. 65 kcal 60 bis 80 mg
Espresso pur zum Vergleich ca. 2 kcal 60 bis 80 mg

Häufige Fragen zum Cappuccino

Was gehört in einen Cappuccino?

In einen Cappuccino gehören ein einzelner Espresso und aufgeschäumte Vollmilch, sonst nichts. Die italienische Norm nennt 25 ml Espresso und rund 100 ml Milch in einer Tasse von 150 bis 160 ml. Oben schließt eine feinporige Schaumschicht von ein bis zwei Zentimetern ab. Kakao, Zucker oder Sirup sind Zugaben, kein Bestandteil des Originals.

Wie macht man einen richtigen Cappuccino?

Zuerst die Tasse vorwärmen und einen einzelnen Espresso hineinziehen. Dann kalte Vollmilch auf 60 bis 65 °C aufschäumen, bis ein glänzender, feinporiger Mikroschaum entsteht. Die Milch mittig in den Espresso gießen und am Ende etwas höher, damit sich oben eine cremige Schaumschicht absetzt. Der Schaum bleibt halbflüssig, keine steife Haube.

Wie viel Milch und Kaffee bei Cappuccino?

Ein einzelner Espresso von etwa 25 ml trifft auf rund 100 bis 120 ml aufgeschäumte Milch. Das ergibt in einer 150- bis 160-ml-Tasse die typische Balance, bei der weder der Kaffee noch die Milch allein dominiert. Die oft zitierte Drittel-Regel ist dabei nur eine grobe Merkhilfe, keine exakte Vorgabe.

In welcher Reihenfolge macht man Cappuccino?

Erst der Espresso, dann die Milch. Der Espresso kommt zuerst in die vorgewärmte Tasse, anschließend gießt man die frisch aufgeschäumte Milch hinein. Beim Latte Macchiato ist es umgekehrt, dort kommt zuerst die Milch ins Glas. Genau diese Reihenfolge sorgt beim Cappuccino für die gleichmäßige braune Farbe statt sichtbarer Schichten.

Was ist der Unterschied von Cappuccino und Latte Macchiato?

Der Cappuccino hat weniger Milch und kommt in eine kleine Tasse von 150 bis 160 ml, mit gleichmäßig brauner Farbe und dichter Schaumschicht. Der Latte Macchiato hat mit rund 200 ml deutlich mehr Milch, kommt in ein hohes Glas und zeigt drei sichtbare Schichten. Beim Cappuccino halten sich Kaffee und Milch die Waage, beim Latte Macchiato führt die Milch.

Warum kein Cappuccino nach 12 Uhr?

Weil Milch in Italien als schwer verdaulich nach dem Essen gilt. Der Cappuccino ist dort ein Frühstücksgetränk, das man bis zum späten Vormittag trinkt. Nach dem Mittag- oder Abendessen bestellt man stattdessen einen Espresso. Die Regel ist mehr kulturelles Ritual als Ernährungswissenschaft, aber in italienischen Bars wird sie gelebt.

Warum der Cappuccino der ehrlichste Kompromiss ist

Zurück zum Touristen, der um halb vier seinen Cappuccino bestellt. Er macht eigentlich nichts falsch, außer dass er eine Regel bricht, die keine Regel des Geschmacks ist, sondern eine des Rhythmus.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum der Cappuccino der beliebteste Milchkaffee der Welt geworden ist. Er ist der ehrlichste Kompromiss zwischen Espresso und Milch, kräftig genug für den Kaffee, mild genug für den Morgen. Man muss ihn nicht um elf trinken. Aber ein guter Cappuccino, mit einem dichten Schaum und einer dunklen Bohne dahinter, schmeckt morgens tatsächlich am besten. Die Italiener haben in diesem einen Punkt vermutlich recht.

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Andrea Wiencek

Kaffeehändlerin aus Berlin. Andrea Wiencek führt gemeinsam mit ihrer Familie die Kaffee Handelsvertretung Wiencek. Seit Jahren dreht sich bei ihr alles um gute Bohnen und ihre Zubereitung, vom ersten Espresso bis zum perfekten Milchschaum. Mehr über sie: .