Säurearmer Kaffee: Welche Bohnen den Magen wirklich schonen

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Säurearmer Kaffee: Welche Bohnen den Magen wirklich schonen

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Andrea Wiencek 16 min Lesezeit

Säurearmer Kaffee ist eines der missverstandensten Produkte im Regal. Auf vielen Packungen steht „magenschonend", drinnen ist trotzdem das, was deinem Magen reizt. Bei anderen Bohnen steht nichts davon, dabei sind sie es tatsächlich. Wer einen empfindlichen Magen hat und Kaffee nicht aufgeben will, sollte wissen, worauf es wirklich ankommt.

Die wichtigste Erkenntnis vorweg: Wer Kaffee schlecht verträgt, hat selten ein Problem mit dem pH-Wert des Getränks. Das Brennen entsteht im Magen, nicht in der Tasse. Es geht um Chlorogensäure als Reizstoff, um einen kleinen Muskel in deiner Speiseröhre und um eine Bohne, die diese beiden Stellschrauben nicht richtig bedient. Wer das versteht, bekommt seinen Espresso zurück, ohne auf Genuss zu verzichten.

Wir verkaufen seit zehn Jahren Kaffee aus unserem Berliner Familienbetrieb, über 80 Sorten. Eine der häufigsten Fragen am Telefon lautet: „Welche Bohne verträgt mein Magen?" Was wir in diesen Gesprächen gelernt haben, steht in diesem Artikel. Ohne Marketinglyrik, dafür mit konkreten Empfehlungen.

Wer direkt einkaufen will

Wenn du schon weißt, dass du eine säurearme Bohne brauchst, findest du unsere komplette Auswahl unter Kaffeebohne. Das sind unsere drei meistempfohlenen Sorten für empfindliche Mägen, alle aus unserer Hausmarke und langzeitgeröstet im Trommelröster:

  • Alessio Grand Milano Espresso
    Dunkle Trommelröstung, Schoko und Karamell, sehr wenig Säure. Der Klassiker für Vollautomat, Siebträger und Mokkakanne.
  • Alessio Il Vero Espresso
    Klassische 80/20-Mischung aus Arabica und Robusta, stabile Crema, mild im Magen. Ideal für Cappuccino und Latte Macchiato.
  • Alessio Premio Schümli
    Schweizer Röstprofil, weniger bitter, mehr Nuss. Für alle, die Espresso eher rund als intensiv mögen.

Warum genau diese drei Bohnen funktionieren, liest du weiter unten im Artikel.

Was säurearmer Kaffee wirklich ist (und was nicht)

Säurearmer Kaffee ist Kaffee, der weniger Chlorogensäure und weniger reizende organische Säuren enthält als ein durchschnittlicher Supermarktkaffee. Der Begriff hat in Deutschland keinen geschützten Standard. Jede Rösterei darf ihren Kaffee säurearm nennen, ohne einen pH-Test oder eine Laboranalyse vorzulegen. Genau deshalb steht das Wort auf vielen Packungen, hinter denen sich erschreckend wenig verbirgt.

Was säurearmer Kaffee nicht ist: nicht säurefrei, nicht koffeinfrei, nicht geschmacksneutral. Eine gute säurearme Bohne darf intensiv schmecken, sie darf kräftig sein, sie darf eine dichte Crema haben. Sie soll nur bestimmte Säurearten in den Hintergrund treten lassen, die im Magen Ärger machen können.

Der entscheidende Punkt: Säurearmer Kaffee hat zwei Wurzeln. Die Bohne und die Röstung. Wer eine von beiden ignoriert, kauft sich am Ende ein leeres Versprechen.

Warum reagiert der Magen wirklich auf Kaffee?

Hier wird es interessant, denn an dieser Stelle reden die meisten Artikel über säurearmen Kaffee vorbei. Der Grund für Sodbrennen, Reflux oder Druck nach dem Espresso ist fast nie der pH-Wert des Getränks. Er liegt tiefer.

Erstens: Kaffee regt die Magensäureproduktion an. Etwa fünfzehn Minuten nach der ersten Tasse schüttet der Magen zusätzliche Salzsäure aus. Verantwortlich dafür sind Koffein, Bitterstoffe und vor allem Chlorogensäure. Wer nüchtern Kaffee trinkt, lässt diese zusätzliche Säure auf eine leere Magenschleimhaut treffen. Das brennt, auch wenn der Kaffee selbst kaum sauer schmeckt.

Zweitens: Kaffee entspannt den unteren Speiseröhrenschließmuskel. Dieser Muskel hält normalerweise dicht zwischen Magen und Speiseröhre. Erschlafft er, läuft Magensäure nach oben. Das ist Reflux. Das ist Sodbrennen. Auch hier ist der Hauptverursacher nicht die Kaffeesäure, sondern Koffein und bestimmte Aromastoffe.

Drittens: Chlorogensäure reizt empfindliche Magenschleimhäute direkt. Sie ist ein sekundärer Pflanzenstoff und kommt in jeder Bohne vor. Bei manchen Menschen löst sie ein Spannungsgefühl aus, bei anderen einen Druck unter dem Brustbein. Wer einmal die richtige Bohne mit niedriger Chlorogensäure getestet hat, merkt den Unterschied oft schon nach zwei, drei Tassen.

Die gute Nachricht: alle drei Effekte lassen sich durch die Wahl der Bohne, die Röstung und die Zubereitung deutlich abschwächen. Es geht weniger darum, einen besonders milden Kaffee zu finden, als darum, die richtige Stellschraube zu drehen.

Chlorogensäure vs. die feinen Säuren: der wichtigste Unterschied

In jeder Kaffeebohne stecken mindestens sechs verschiedene Säuren. Sie sind nicht alle deine Feinde. Im Gegenteil: ein guter Teil davon macht den Kaffee überhaupt erst interessant.

Die böse Schwester heißt Chlorogensäure. Sie macht den größten Anteil der natürlichen Säuren in der Rohbohne aus und ist die Hauptverdächtige für Magenbeschwerden. Eine grüne Arabica-Bohne enthält etwa drei bis sechs Prozent Chlorogensäure, eine Robusta-Bohne kann auf über zehn Prozent kommen. Beim Rösten wird diese Säure abgebaut. Wie viel davon übrig bleibt, hängt direkt mit der Röstdauer und Temperatur zusammen.

Die fünf netten Säuren sind Zitronensäure, Apfelsäure, Essigsäure, Weinsäure und phosphorische Säure. Sie geben dem Kaffee Frische und Tiefe. Sie erinnern an Zitrusfrüchte, an Beeren, an Karamell, an Mango. Wer einen sortenreinen Hochland-Arabica trinkt, schmeckt diese feinen Säuren als das, was sie sind: Aromen. Sie reizen den Magen so gut wie nicht.

Das Problem entsteht erst, wenn die Chlorogensäure dominiert. Sie macht den Kaffee unangenehm sauer, kratzig, manchmal metallisch. Genau diese Säure wollen wir abbauen. Die feinen wollen wir behalten. Wer das einmal verstanden hat, weiß warum eine dunkle Trommelröstung der Schlüssel ist.

Die Röstung: hier entscheidet sich fast alles

Säurearmer Kaffee entsteht im Trommelröster, nicht auf dem Acker. Das ist die wichtigste Einsicht in diesem Artikel.

Beim Rösten zerfällt Chlorogensäure unter Hitze. Je länger und gleichmäßiger die Bohne in der Trommel bleibt, desto vollständiger wird sie abgebaut. Eine traditionelle Langzeit-Trommelröstung läuft 15 bis 22 Minuten bei rund 200 °C bis 220 °C. Industrielle Heißluftröstungen schaffen das in 90 Sekunden bei deutlich höheren Temperaturen. Das spart Energie und Lagerkosten. Es behält aber auch viel mehr Chlorogensäure in der Bohne. Du schmeckst das nicht immer sofort, aber dein Magen tut es.

Eine zweite Faustregel: Dunkler geröstete Bohnen sind säureärmer. Die dunkle Röstung läuft länger und höher, sie baut also mehr Chlorogensäure ab. Wer einen säurearmen Kaffee sucht, sollte deshalb zur Espresso-Röstung greifen, nicht zum hellen Filterkaffee. Klingt paradox, weil Espresso intensiv schmeckt. Geschmackliche Intensität und Säure haben aber nichts miteinander zu tun.

Vorsicht beim Schnellrösten. Eine dunkle Bohne aus dem Schnellverfahren ist außen verkohlt und innen kaum durchgeröstet. Sie schmeckt bitter, brennt und enthält trotzdem noch viel Chlorogensäure. Eine dunkle Bohne aus der Trommel ist gleichmäßig braun bis ins Innere, schmeckt rund und ist genau das, was wir suchen. Welche Röstung zu welcher Zubereitung passt, haben wir im Artikel Röstgrad Kaffee aufgeschlüsselt.

Arabica oder Robusta? Die wichtigste Bohnenfrage

Arabica-Bohnen enthalten weniger Chlorogensäure als Robusta. Das ist die einfache Wahrheit. Wer auf seinen Magen achtet, fährt mit einem hohen Arabica-Anteil meistens besser.

Aber pauschal stimmt das nicht. Eine billige, hell geröstete Arabica-Industriebohne kann am Ende mehr Reizstoffe enthalten als eine sauber langzeitgeröstete Mischung mit zwanzig Prozent Robusta. Die Röstung schlägt die Sorte. Immer.

Was uns in unserer eigenen Verkostung über die Jahre aufgefallen ist: Klassische italienische Espressomischungen aus 80 Prozent Arabica und 20 Prozent Robusta gehören zu den bekömmlichsten Bohnen, die wir kennen. Der Arabica-Anteil bringt Süße und niedrige Chlorogensäure. Der Robusta-Anteil bringt Crema, Körper und eine bestimmte Sättigung im Mund, die helle Single-Origin-Arabicas oft vermissen lassen. Wer mehr über die beiden Sortenfamilien wissen will, findet die Details im Artikel Arabica vs. Robusta.

Anbauhöhe und Herkunft: stille Faktoren mit großem Effekt

Wer eine Bohne sucht, die schon vor der Röstung wenig Reizstoffe mitbringt, sollte auf die Herkunft schauen. Hochland-Arabicas aus Mittelamerika reifen langsamer und entwickeln weniger Chlorogensäure als schnell wachsende Bohnen aus dem Tiefland. Die berühmten Säureärmen kommen aus drei Regionen.

Brasilien liefert die Klassiker für magenfreundliche Espressomischungen. Bohnen aus Cerrado oder Minas Gerais sind schokoladig, nussig, niedrig in der Säure. Sie sind die Grundlage fast aller großen italienischen Blends.

Indien produziert eine Kuriosität, die Kenner lieben: den Monsooned Malabar. Die Bohnen werden monatelang dem indischen Monsunwind ausgesetzt, dabei bauen sie einen Großteil ihrer Säure ab. Das Ergebnis ist ein erdiger, würziger Kaffee mit fast keiner spürbaren Säure. Nicht jedermanns Sache, aber für sensible Mägen oft die letzte Rettung.

Sumatra und Indonesien insgesamt bringen Bohnen mit erdigem, vollem Profil und niedrigem Säuregehalt. Wer Espresso liebt, aber Säure scheut, ist hier gut aufgehoben.

Was uns regelmäßig auffällt: die Etiketten lügen selten, wenn eine renommierte Rösterei den Anbauort nennt. Wer auf der Packung nur „Mischung aus verschiedenen Anbauländern" liest, hat meistens Tieflandware mit viel Robusta vor sich. Das ist nicht automatisch schlecht, aber für einen empfindlichen Magen oft nicht ideal.

Der pH-Wert verschiedener Kaffeezubereitungen im Vergleich

Hier ist die Tabelle, die in den meisten Artikeln fehlt. Sie zeigt, dass die Wahl der Zubereitungsart fast genauso wichtig ist wie die Bohne selbst.

Zubereitung pH-Wert Was das bedeutet
Filterkaffee, hell geröstet 4,5 bis 4,7 Vergleichbar mit Bier oder Tomatensaft
Filterkaffee, dunkel geröstet 4,7 bis 5,0 Etwas milder, weniger Chlorogensäure
French Press 4,8 bis 5,1 Voll im Körper, mittlere Säure
Espresso aus dem Siebträger 4,9 bis 5,2 Kurz extrahiert, dunkel geröstet, milder als gedacht
Espresso aus dem Vollautomaten 5,0 bis 5,3 Ähnlich wie Siebträger, je nach Bohne
Cold Brew 5,5 bis 6,1 Fast neutral. Der mildeste Kaffee überhaupt
Magensaft, nüchtern 1,0 bis 3,0 Zum Vergleich: viel saurer als jeder Kaffee
Reines Wasser 7,0 Neutral

Was diese Tabelle erzählt: Espresso ist nicht der Säurebomber, für den ihn viele halten. Wegen der kurzen Extraktionszeit und der dunklen Röstung ist er sogar einer der mildesten Kaffees. Und Cold Brew ist mit Abstand der pH-neutralste Aufguss, fast so mild wie Vollmilch. Wer wirklich ein Magenproblem hat, sollte als erstes Cold Brew probieren. Unsere Anleitung dazu steht im Artikel Cold Brew Kaffee selber machen.

Was ist Schonkaffee und ist er wirklich bekömmlicher?

Schonkaffee ist ein Marketingbegriff. In Deutschland gibt es keine gesetzliche Definition. Das bedeutet: drei Sorten dürfen auf der Packung das Wort tragen, ohne dass sie auch nur annähernd das gleiche im Inneren haben.

Es gibt allerdings ein industrielles Verfahren, das Bohnen tatsächlich nachweislich säureärmer macht. Es heißt Dampfbehandlung. Die Bohnen werden vor der Röstung mit Wasserdampf behandelt, das löst einen Teil der Chlorogensäure aus der Bohne. Reduktionsraten zwischen dreißig und fünfzig Prozent sind in Studien dokumentiert. Eine echte Erleichterung für sehr empfindliche Mägen.

Der Preis dafür: ein Teil der Aromen geht mit. Dampfbehandelter Kaffee schmeckt oft etwas flacher als sein unbehandeltes Pendant. Für Kaffeegenießer, die Wert auf Komplexität legen, ist das ein Kompromiss. Für Menschen mit echten Reizmagen-Symptomen kann es trotzdem die richtige Wahl sein.

Unsere ehrliche Meinung: dampfbehandelte Bohnen sind eine Notlösung. Wer den Magen über die richtige Wahl von Bohne, Röstung und Zubereitung in den Griff bekommt, braucht den Umweg nicht. Wer aber chronische Probleme hat, die mit normalem Kaffee nicht in den Griff zu bekommen sind, sollte eine dampfbehandelte Variante einmal testen. Sie ist seriös, wenn sie ehrlich deklariert ist.

Welche Bohnen wir bei säureempfindlichen Kunden empfehlen

Aus über zehn Jahren Verkauf und unzähligen Gesprächen mit Kunden, die ihren Kaffee zurückerobern wollen, sind drei Bohnen aus unserem Sortiment immer wieder als Favoriten hervorgegangen. Alle drei sind unsere Hausmarke Alessio. Wir empfehlen sie nicht, weil wir sie verkaufen, sondern wir verkaufen sie, weil sie funktionieren.

Alessio Grand Milano Espresso

Unsere klassische italienische Espressomischung, dunkel und langsam im Trommelröster. Schokoladig, mit feiner Karamellnote, fester Körper und sehr wenig Säure. Die Bohne, mit der die meisten unserer Reizmagen-Kunden ihre Kaffee-Rückkehr starten. Funktioniert im Vollautomaten, im Siebträger und in der Mokkakanne. Alessio Grand Milano Espresso hier kaufen →

Alessio Il Vero Espresso

Klassische 80/20-Mischung aus Arabica und Robusta, traditionell langzeitgeröstet. Stabile Crema, fester Stand im Vollautomaten, mild im Magen. Etwas kräftiger als der Grand Milano, etwas mehr Crema. Unsere Standardempfehlung für Cappuccino und Latte Macchiato bei Kunden mit empfindlichem Magen. Alessio Il Vero Espresso hier kaufen →

Alessio Premio Schümli

Schweizer Röstprofil, weniger bitter als die italienischen Geschwister, dafür mehr Nuss und eine angenehme Süße. Wenn der Magen schon bei mittelkräftigem Espresso meckert, ist der Schümli oft die Lösung. Auch ideal für lange Milchkaffees und alle, die Espresso eher rund als intensiv mögen. Alessio Premio Schümli hier kaufen →

Wer lieber mit einer dritten Marke einsteigen will, fährt mit Dallmayr Crema d'Oro oder mit ausgewählten italienischen Klassikern aus unserem Sortiment ebenfalls gut. Die ganze Auswahl an magenfreundlichen Sorten findest du in unserer Kategorie Kaffeebohnen kaufen.

Die Zubereitung: drei einfache Hebel, die sofort helfen

Die Bohne wäre die halbe Miete. Die andere Hälfte ist deine Maschine. Wer drei Stellschrauben kennt, holt aus jeder Bohne mehr Bekömmlichkeit heraus.

Kürzere Kontaktzeit

Je kürzer Wasser und Kaffeepulver in Kontakt sind, desto weniger Säuren werden gelöst. Espresso aus dem Siebträger zieht 25 bis 30 Sekunden, Filterkaffee dagegen drei bis vier Minuten. Das ist einer der Hauptgründe, warum Espresso pH-mäßig milder ist als Filterkaffee, obwohl der Geschmack viel kräftiger wirkt. Wer eine Filtermaschine hat, kann mit einer gröberen Mahlung und einer kürzeren Brühzeit Säuregehalt deutlich reduzieren. Mehr zum Thema im Artikel Mahlgrad Kaffee erklärt.

Richtige Brühtemperatur

Das Wasser sollte zwischen 92 und 96 °C liegen. Heißer extrahiert mehr Säure. Kälter extrahiert wässrig. Wer einen Vollautomaten hat, kann die Temperatur oft eine Stufe runterstellen. Wer mit Filterkaffee arbeitet, sollte das Wasser nach dem Kochen 30 Sekunden ruhen lassen, bevor es auf den Filter geht.

Milch oder pflanzliche Alternative

Milch enthält Casein. Casein bindet Säuren und Bitterstoffe und macht den Kaffee deutlich milder. Hafermilch wirkt ähnlich, weil ihre Beta-Glucane einen ähnlichen Puffer bilden. Mandel- und Reisdrinks puffern weniger gut. Wer schwarzen Kaffee nicht aushält, sollte Milch nicht als Schwäche sehen, sondern als sinnvolle Anpassung an die eigene Magenchemie.

Cold Brew: der unterschätzte Säure-Hack

Wenn du nur eine Zubereitungsmethode aus diesem Artikel mitnimmst, dann diese. Cold Brew ist mit Abstand der mildeste Kaffee, den du selbst herstellen kannst. Der Trick: das Pulver zieht 12 bis 24 Stunden in kaltem Wasser. Bei dieser Temperatur lösen sich Aromen und Koffein langsam, Chlorogensäure aber kaum. Das Resultat ist ein Konzentrat mit pH-Werten zwischen 5,5 und 6,1, also fast so neutral wie Mineralwasser.

Das Verfahren ist simpel und braucht keine Spezialgeräte. Wer einen Reizmagen hat und seinen Sommer mit Kaffee verbringen will, ohne nach jeder Tasse Brennen zu spüren, sollte Cold Brew einmal eine Woche lang ausprobieren. Die Schritt-für-Schritt-Anleitung steht in unserem Artikel Cold Brew Kaffee selber machen.

Drei häufige Mythen über säurearmen Kaffee

Im Internet wird zum Thema viel Halbwahrheit verbreitet. Drei davon räumen wir hier auf.

„Helle Röstungen sind milder, weil sie weniger bitter schmecken"

Falsch. Helle Röstungen schmecken weniger bitter, sind aber deutlich säurereicher. Sie haben kürzer im Röster gelegen, also wurde weniger Chlorogensäure abgebaut. Wer einen empfindlichen Magen hat, sollte dunkler rösten lassen, nicht heller.

„Entkoffeinierter Kaffee ist automatisch magenschonend"

Nur teilweise richtig. Entkoffeinierter Kaffee enthält tatsächlich weniger Koffein, das ist gut für die Magensäureproduktion. Er enthält aber je nach Verfahren immer noch genauso viel Chlorogensäure wie der koffeinhaltige Bruder. Wer empfindlich auf Säure reagiert, hat von der Entkoffeinierung allein wenig Vorteil. Die Bohne und die Röstung müssen stimmen, sonst hilft auch der Entzug nicht.

„Kaffee auf nüchternen Magen ist immer schlecht"

Halb wahr. Wer einen gesunden Magen hat, dem schadet der Kaffee zum Frühstück nicht. Wer aber regelmäßig Sodbrennen hat, sollte Kaffee mit Frühstück trinken. Die Mischung mit Brot, Käse oder Joghurt puffert die Säureproduktion ab und schützt die Schleimhaut. Das ist keine alte Hausfrauen-Weisheit, sondern Magen-Physiologie.

Was wirklich hilft, wenn der Magen schon meckert

Es gibt Tage, da hilft die beste Bohne nichts mehr. Was sich in unserer Erfahrung bewährt hat, wenn der Magen schon gereizt ist.

Trink deinen Kaffee nach dem Essen, nicht davor. Allein das löst bei vielen Menschen das Problem. Reduzier die Menge. Eine Tasse zur richtigen Zeit ist besser als drei Tassen vor dem Frühstück. Wechsel für zwei Wochen auf Cold Brew. Wenn nach dieser Zeit keine Besserung eintritt, ist meistens nicht der Kaffee das Problem, sondern eine Magenschleimhautentzündung, die ärztlich abgeklärt werden sollte.

Und ja: manchmal verträgt der Körper Kaffee einfach nicht mehr, weil die Magenschleimhaut chronisch gereizt ist. In dem Fall ist eine Pause von vier bis sechs Wochen oft die beste Therapie. Danach mit einer dunklen, langzeitgerösteten Bohne und einer Cold-Brew-Phase wiedereinsteigen. Viele unserer Kunden haben so ihren Kaffee zurückgewonnen. Mehr zu den gesundheitlichen Aspekten findest du im Artikel Gesundheit und Kaffee.

Häufige Fragen zu säurearmem Kaffee

Welcher Kaffee ist am säurearmsten?

Dunkel geröstete, langzeitgeröstete Espresso-Mischungen aus überwiegend Arabica-Bohnen sind in der Tasse am säureärmsten. Hinzu kommt die Zubereitungsart. Cold Brew hat mit pH 5,5 bis 6,1 den höchsten pH-Wert aller Kaffees, gefolgt von Espresso aus dem Siebträger mit 4,9 bis 5,2. Spezielle dampfbehandelte Bohnen reduzieren die Chlorogensäure zusätzlich um 30 bis 50 Prozent.

Welche Kaffeesorten sind besonders magenfreundlich?

Bekömmlich sind klassische italienische Espressoblends mit 70 bis 100 Prozent Arabica-Anteil, langzeitgeröstet im Trommelverfahren. Empfehlenswerte Bohnen aus unserem Sortiment sind Alessio Grand Milano, Alessio Il Vero Espresso und Alessio Premio Schümli. Auch Monsooned Malabar aus Indien und Hochland-Arabicas aus Brasilien gelten als besonders mild.

Ist Espresso wirklich säurearmer als Filterkaffee?

Ja. Espresso aus dem Siebträger hat einen pH-Wert von 4,9 bis 5,2 und ist damit milder als Filterkaffee mit 4,5 bis 4,7. Das liegt an zwei Faktoren: Espresso-Bohnen werden dunkler geröstet, was die Chlorogensäure stärker abbaut. Und die kurze Extraktionszeit von 25 bis 30 Sekunden löst weniger Säure als die mehrminütige Filterextraktion.

Was ist Schonkaffee genau?

Der Begriff Schonkaffee ist in Deutschland gesetzlich nicht geschützt. Im seriösen Fall handelt es sich um Bohnen, die vor der Röstung mit Wasserdampf behandelt wurden. Dieses Verfahren reduziert die Chlorogensäure um 30 bis 50 Prozent. Im weniger seriösen Fall steht nur das Wort auf der Packung, ohne dass nachweisbar etwas anders gemacht wurde. Auf die Röstmethode und die Sorte achten lohnt sich mehr als auf das Etikett.

Hilft Milch im Kaffee gegen Sodbrennen?

Bei den meisten Menschen ja. Das Casein in der Milch bindet einen Teil der Säuren und Bitterstoffe. Hafermilch wirkt ähnlich gut, andere Pflanzendrinks puffern schwächer. Wer empfindlich ist, sollte trotzdem schwarzen Kaffee aus einer säurearmen Bohne testen, bevor er pauschal auf Milch zurückgreift. Manche Menschen reagieren auf Milchprodukte selbst empfindlicher als auf den Kaffee.

Unser Fazit

Säurearmer Kaffee ist keine Marketingerfindung. Er ist eine Kombination aus drei Entscheidungen: eine Bohne mit niedriger Chlorogensäure, eine lange Trommelröstung und eine Zubereitung mit kurzer Kontaktzeit. Wer diese drei Punkte beherzigt, kann Espresso und Vollautomat trinken, ohne den Magen zu reizen. Die richtige Bohne ist dabei der größte Hebel. Eine ehrlich langzeitgeröstete italienische Mischung schlägt jeden hellen Industriearabica, auch wenn der teurer ist und mit dem Wort „mild" auf der Tüte wirbt.

Wer ernsthafte Magenprobleme hat, sollte einen Allergietest oder eine Gastroskopie nicht durch eine Bohnenumstellung ersetzen. Aber für die große Mehrheit der Menschen, die Kaffee mit leichtem Druck oder gelegentlichem Sodbrennen trinken, liegt die Antwort fast immer in der Bohne. Probier eine Woche lang einen Alessio Grand Milano, dunkel geröstet aus der Trommel. Du wirst den Unterschied an Tag drei spüren. Falls nicht, sind wir die ersten, die dir sagen, dass es noch andere Wege gibt.