Espresso Martini: das Rezept mit der perfekten Schaumkrone

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Espresso Martini: das Rezept mit der perfekten Schaumkrone

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Andrea Wiencek 9 min Lesezeit

London, 1983. Ein Barkeeper namens Dick Bradsell steht hinter dem Tresen der Soho Brasserie. Eine junge Frau, deren Name je nach Quelle zwischen Kate Moss und Naomi Campbell schwankt, bestellt etwas, was sie wach macht und danach umhaut. Bradsell mischt Wodka, Kaffeelikör und einen frisch gebrühten Espresso. Der Drink bekommt keinen Namen. Erst Jahre später taucht er in Barbüchern als Espresso Martini auf.

Ob die Geschichte genau so stimmt, weiß niemand. Bradsell selbst hat sie in verschiedenen Versionen erzählt. Sicher ist: Der Drink ist die vielleicht wichtigste Cocktailerfindung der letzten vierzig Jahre. Und die meisten Versionen, die du in Bars trinkst, sind schlechter als das, was du in fünf Minuten zu Hause mixen kannst.

Dieser Artikel zeigt das Original-Rezept, erklärt warum die Schaumkrone bei vielen misslingt, und empfiehlt die Bohne, die den Unterschied macht.

Direkt zum Rezept

Warum der Espresso Martini nie weggeht

Zwischen 2018 und 2024 haben britische Bars laut CGA-Daten eine Verzehnfachung der Espresso-Martini-Bestellungen gemeldet. In Berlin, Wien und Zürich ist er inzwischen fester Bestandteil jeder Cocktailkarte, die sich ernst nimmt. Nicht als Nischenempfehlung, sondern als Standard.

Das liegt nicht am Wodka. Es liegt am Zusammenspiel aus Süße, Koffein und der samtigen Textur, die beim Shaken entsteht. Der Espresso Martini ist ein Dessert, ein Digestif und ein Wachmacher in einem Glas. Drei Versprechen, die sonst kein Drink einlöst.

Dass er gleichzeitig so simpel ist, macht ihn zum idealen Hausrezept. Vier Zutaten. Ein Shaker. Keine Bar-Ausbildung nötig.

Die Zutaten für den klassischen Espresso Martini

Vier Komponenten, fertig. Jede davon hat einen Job, und keine lässt sich durch Sparversionen ersetzen ohne dass es auffällt.

Espresso

Die wichtigste Zutat. Ein Espresso Martini ist exakt so gut wie der Espresso, der reingeht. Filterkaffee funktioniert nicht. Kaffee aus der French Press funktioniert nicht. Gebraucht wird ein frisch extrahierter Espresso mit intakter Crema, denn genau aus dieser Crema entsteht später die Schaumkrone auf dem Glas. Wer keine Espressomaschine hat, nutzt eine Moka-Kanne als Notlösung. Instant ist keine Option.

Wodka

50 Milliliter pro Drink. Neutral, sauber, ohne aufdringliche Aromen. Absolut, Finlandia oder Belvedere sind klassische Vertreter. Wodka ist hier Träger, nicht Star. Wer stattdessen Gin nimmt, bekommt einen anderen Drink, nicht unbedingt einen schlechteren.

Kaffeelikör

10 Milliliter. Meist Kahlúa, manchmal Tia Maria oder Borghetti. Kahlúa ist süßer und dickflüssiger, Borghetti härter und kaffeelastiger. Wir empfehlen Kahlúa für den klassischen Stil, weil die Süße den bitteren Espresso perfekt einfängt.

Zuckersirup

10 Milliliter. Einfach herzustellen, falls keiner im Haus ist: gleiche Teile Zucker und Wasser kurz aufkochen, abkühlen lassen, fertig. Wer den Drink weniger süß mag, geht auf 5 Milliliter runter. Weglassen wäre ein Fehler. Ohne Zucker kippt die Balance Richtung bitter.

Das Rezept Schritt für Schritt

Hier die Zusammenfassung im Rezept-Widget. Die Mengen gelten für zwei Gläser. Portionen lassen sich anpassen, die Zutaten rechnen automatisch mit.

 

Rezept

Espresso Martini

5 Minuten
2
Portionen
Einfach Schwierigkeit
Zutaten
  • 100 ml Wodka
  • 20 ml Kaffeelikör (z.B. Kahlúa)
  • 20 ml Zuckersirup
  • 60 ml frisch gebrühter Espresso (2 Espressi)
  • 6 Stück Kaffeebohnen zur Garnitur
  • 1 Handvoll Eiswürfel
Zubereitung
  1. 1

    Zwei Martini- oder Coupe-Gläser für 10 Minuten ins Gefrierfach stellen.

  2. 2

    Zwei Espressi frisch zubereiten und etwa 1 Minute abkühlen lassen. Damit das Eis im Shaker nicht sofort schmilzt.

  3. 3

    Den Shaker bis zum Rand mit Eiswürfeln füllen. Dann Wodka, Kaffeelikör, Zuckersirup und Espresso dazugeben.

  4. 4

    Mindestens 20 Sekunden kraftvoll shaken, bis der Shaker außen komplett vereist ist. Nicht schummeln bei der Zeit.

  5. 5

    Durch Barsieb und Feinsieb in die vorgekühlten Gläser gießen. Das doppelte Abseihen hält Eissplitter zurück und sorgt für die saubere Schaumdecke.

  6. 6

    Pro Glas 3 ganze Kaffeebohnen auf die Schaumkrone legen. Sofort servieren.

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Das Geheimnis der Schaumkrone

Die Schaumdecke ist das sichtbare Qualitätsmerkmal eines Espresso Martinis. Wenn sie fehlt, ist etwas schiefgelaufen. Meistens eins von drei Dingen.

Erstens: der Espresso war alt. Crema zerfällt innerhalb von zwei bis drei Minuten. Wer seinen Espresso in der Küche stehen lässt, während er Gläser holt, fängt die Schaumkrone gar nicht erst ein. Der Espresso muss direkt aus der Maschine in den Shaker.

Zweitens: zu wenig Eis. Viele Hobbybarkeeper füllen den Shaker zur Hälfte mit Eis. Das reicht nicht. Der Shaker braucht so viel Eis, dass die Flüssigkeit kaum Platz hat, sich zu bewegen. Nur dann entsteht beim Schütteln die Mikroluftblasen-Textur, die den Schaum trägt.

Drittens: zu kurz geschüttelt. 20 Sekunden fühlen sich lang an, sind aber das absolute Minimum. Profis gehen auf 25 bis 30 Sekunden. Bis der Shaker außen so kalt ist, dass man ihn kaum noch halten kann.

Wer diese drei Punkte beachtet, bekommt zuverlässig die Schaumkrone, die auf Instagram und in Bars gut aussieht. Keine Hexerei, nur Disziplin.

Welche Kaffeebohnen passen

Der Espresso entscheidet den Drink. Eine fruchtige Third-Wave-Bohne mit Beerenaromen bringt zwar spannende Noten ins Glas, ihre dünne Crema hält der Verdünnung durchs Eis aber schlecht stand. Gefragt ist eine klassisch italienische Röstung mit kräftiger Crema und Schokoladen- oder Nussnoten. Der Kaffee muss beim Schütteln mitreden, nicht verschwinden.

Espresso Martini steht und fällt mit der Bohne. Der Röstgrad bestimmt, ob der Drink ausgewogen oder dominant wird.

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Die weniger kräftige Alternative, wenn du den Kaffee nicht ganz so dominant möchtest und lieber die süßeren Noten der Schokolade im Vordergrund hast. Alessio Premio Schümli hier kaufen →

Varianten, die funktionieren

Der Klassiker bleibt der Klassiker. Aber drei Abweichungen sind so verbreitet, dass sie fast schon eigene Drinks sind.

Espresso Martini mit Baileys. Statt 10 Milliliter Kaffeelikör nimmst du je 10 Milliliter Kahlúa und Baileys. Süßer, cremiger, ein Dessert im Glas. Passt zu Weihnachten und zum Abendessen mit Freunden, die es gern gemütlich haben.

Salted Caramel Espresso Martini. Den Zuckersirup durch Karamellsirup ersetzen und vor dem Servieren eine winzige Prise Flockensalz auf die Schaumkrone streuen. Der Salzakzent hebt den Kaffee hervor und macht aus dem Drink einen Dessertersatz.

Alkoholfreier Espresso Martini. Der am häufigsten unterschätzte. Alkoholfreier Wodka (Lyre's oder Seedlip Grove) plus ein milder Kaffeelikör ohne Alkohol ergeben einen erstaunlich nahen Klon. Die Schaumkrone funktioniert genauso, weil sie ausschließlich vom Espresso abhängt. Eine echte Option für Dry January oder für alle, die nach halb elf keinen Alkohol mehr wollen.

Die häufigsten Fehler

Vier Dinge, die den Drink ruinieren, obwohl alle Zutaten stimmen.

Zu heißer Espresso. Wenn der Espresso direkt aus der Maschine in den Shaker kommt, schmilzt das Eis so schnell, dass der Drink verwässert. Eine Minute abkühlen lassen reicht.

Zu wenig Zucker. Viele kürzen beim Zuckersirup, weil Cocktails als süß verschrien sind. Der Zucker balanciert aber die Bitternoten des Espressos. Ohne ihn dominiert der Kaffee zu stark und der Drink fühlt sich medizinisch an.

Rühren statt Shaken. Ohne das kraftvolle Schütteln fehlt die Emulsion, die für Schaum und Mundgefühl sorgt. Rühren ist für klare Drinks wie den Martini selbst. Beim Espresso Martini ist es ein Fehler.

Zu große Gläser. Ein Espresso Martini ist ein Drink in klassischer Coupe- oder Martini-Glas-Größe, nicht in einem Wasserglas. Das falsche Glas verändert das Trinkerlebnis spürbar, weil die Schaumkrone sich auf großer Fläche zu dünn verteilt.

Kalorien und Nährwerte

Ein Espresso Martini ist keine Diät-Option. Aber im Vergleich zu anderen Cocktails steht er besser da, als viele vermuten.

Bestandteil (pro Glas) Menge Kalorien
Wodka 50 ml ca. 110 kcal
Kaffeelikör (Kahlúa) 10 ml ca. 35 kcal
Zuckersirup 10 ml ca. 35 kcal
Espresso 30 ml ca. 2 kcal
Gesamt 100 ml ca. 210 kcal

Zum Vergleich: Eine Piña Colada bringt es auf rund 470 Kalorien, ein Old Fashioned auf etwa 155. Der Espresso Martini liegt angenehm in der Mitte, wenn man ihn bei einem belässt.

Häufige Fragen zum Espresso Martini

Warum hat mein Espresso Martini keinen Schaum?

Die cremige Schaumkrone entsteht nur, wenn drei Dinge zusammenkommen: frisch gebrühter Espresso mit intakter Crema, viel Eis im Shaker und mindestens 20 Sekunden kraftvolles Schütteln. Die Schaumdecke kommt aus den Ölen der Crema, die beim Shaken aufgeschlagen werden. Alter oder gekaufter Espresso ohne Crema produziert keine Schaumdecke.

Ist ein Espresso Martini stark?

Ein klassischer Espresso Martini enthält etwa 18 bis 22 Volumenprozent Alkohol. In einem Glas stecken rund 1,5 Standardeinheiten Alkohol, also etwas mehr als ein Glas Wein. Durch den Espresso wirkt er weniger stark als er ist, was ihn zum gefährlichsten Cocktail auf der Karte machen kann.

Welcher Wodka eignet sich am besten für Espresso Martini?

Ein neutraler, sauber destillierter Wodka ist die beste Wahl. Marken wie Absolut, Belvedere oder Finlandia funktionieren zuverlässig. Aromatisierte Wodkas mit Vanille oder Karamell sind legitime Varianten, verändern den Drink aber deutlich. Der Wodka steht nicht im Mittelpunkt, sondern ist die Bühne für den Kaffee.

Kann man Espresso Martini ohne Shaker machen?

Ja, aber mit Einschränkung. Ein verschließbares Einmachglas, eine stabile Thermoskanne oder ein Cocktail-Mixer mit festem Deckel funktionieren. Die Schaumkrone wird dabei selten so stabil wie mit einem Profi-Shaker, weil man weniger intensiv schütteln kann. Rühren statt schütteln funktioniert nicht, weil die Luftblasen für den Schaum fehlen.

Wie viele Kalorien hat ein Espresso Martini?

Ein klassischer Espresso Martini hat etwa 210 Kilokalorien pro Glas. Der größte Anteil kommt vom Wodka mit rund 110 Kilokalorien. Der Kaffeelikör und der Zuckersirup steuern zusammen weitere 70 bis 80 Kilokalorien bei. Der Espresso selbst ist mit rund 2 Kilokalorien vernachlässigbar.

Unsere Haltung zum Espresso Martini

Der Espresso Martini ist der einzige Cocktail, bei dem der Kaffee über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Wer eine billige Supermarktbohne nimmt und hofft, dass Wodka und Kahlúa es richten, bekommt ein süßes, koffeinhaltiges Durcheinander. Wer den Espresso ernst nimmt, bekommt einen Drink, der sich besser trinkt als die meisten Versionen in Bars.

Das Rezept ist kein Geheimnis. Die Zutaten sind standardisiert seit vierzig Jahren. Was den Unterschied macht, ist die Disziplin bei drei Dingen: frischer Espresso, viel Eis, lang genug geschüttelt. Alles andere ist Dekoration.

Wer Crossover-Drinks mag, sollte sich den Dirty Chai Latte anschauen – ähnlich aufgebaut, ohne Alkohol, dafür mit Gewürzen.