eine geöffnete kaffeemaschine kurz vor dem entkalken

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Kaffeemaschine entkalken: Was wirklich funktioniert (und was Mythos ist)

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Andrea Wiencek 10 min Lesezeit

Berliner Leitungswasser hat einen Härtegrad von rund 16 bis 18 °dH. Ein Liter, der durch deine Kaffeemaschine läuft, lässt etwa 250 bis 320 Milligramm Calcium und Magnesium zurück. Nicht im Becher. Im Gerät.

Nach drei Wochen sieht das Innere deines Boilers aus wie eine Tropfsteinhöhle im Mini-Format. Wasser braucht länger zum Aufheizen. Das Pumpgeräusch wird lauter. Der Espresso fließt nicht mehr seidig, sondern stockend. Und der Geschmack? Verändert sich, lange bevor du es merkst.

Wir verkaufen seit Jahrzehnten Kaffee aus Berlin. Wir wissen, was Wasser mit Maschinen macht. Und wir sehen jede Woche Maschinen, die nicht kaputt sind, sondern nur dringend entkalkt gehören. Hier steht, wie's wirklich geht. Mit Schritt-für-Schritt-Anleitung für jeden Maschinentyp, einer ehrlichen Einschätzung der Hausmittel und einem Mythen-Check, den die meisten anderen Anleitungen weglassen.

Warum überhaupt entkalken?

Drei Gründe, in dieser Reihenfolge: Geschmack, Geld, Lebensdauer.

Geschmack zuerst. Kaffee besteht zu rund 99 Prozent aus Wasser. Was im Wasser steckt, steckt im Becher. Verkalkte Heizelemente erhitzen ungleichmäßig. Statt der idealen 92 bis 96 °C kommt das Wasser mit 85 °C an den Bohnen an. Das Ergebnis: Unterextraktion. Sauer, dünn, ohne Körper. Du schiebst es auf die Kaffeebohnen und kaufst neue. Aber nicht die Bohnen sind das Problem.

Dann Geld. Eine verkalkte Maschine zieht bis zu 30 Prozent mehr Strom, weil das Heizelement gegen die Kalkschicht arbeiten muss. Bei einem Vollautomaten, der täglich läuft, sind das schnell 40 bis 60 Euro Mehrkosten pro Jahr. Geld, das du dir komplett sparen kannst.

Lebensdauer am Ende. Verkalkte Pumpen brennen durch. Verkalkte Ventile klemmen. Verkalkte Boiler reißen. Eine gut gepflegte Siebträgermaschine läuft 15 bis 20 Jahre. Eine vernachlässigte gibt nach drei auf. Der Unterschied kostet dich vier- bis fünftausend Euro.

Wie oft solltest du entkalken?

Die ehrliche Antwort: Es kommt auf dein Wasser an. Niemand entkalkt zu oft, viele entkalken zu selten.

Die Wasserhärte in Deutschland schwankt extrem. In München fließt weiches Wasser aus dem Hahn, in Berlin und Hamburg eher hartes. Hier die Faustregel:

Wasserhärte °dH Region (Beispiel) Entkalken bei Vielnutzer
Weich 0 – 8 München, Düsseldorf alle 8 – 12 Wochen
Mittel 8 – 14 Köln, Frankfurt alle 4 – 6 Wochen
Hart 14 – 21 Berlin, Hamburg, Stuttgart alle 2 – 4 Wochen
Sehr hart über 21 Magdeburg, Teile von BW alle 2 Wochen

 

Deine konkrete Wasserhärte erfährst du auf der Website deines lokalen Wasserversorgers. Bei Berliner Wasserbetrieben einfach Postleitzahl eingeben, Wert ablesen.

Ein Trick für Vollautomaten: Die meisten Geräte zählen mit. Sie melden sich, wenn es Zeit wird. Ignoriere die Meldung nicht. Sie ist nicht aus Spaß da.

Welches Mittel ist wirklich das beste?

Hier wird es kontrovers. Im Internet kursieren rund zwölf verschiedene Empfehlungen. Wir machen Klartext.

Mittel Wirksamkeit Kosten je Entkalkung Risiko für Maschine Geschmack danach
Spezial-Entkalker (flüssig) Sehr hoch 0,80 – 1,50 € Keines Neutral
Spezial-Entkalker (Tabletten) Sehr hoch 0,40 – 0,80 € Keines Neutral
Zitronensäure Hoch (kalt!) 0,20 – 0,40 € Bei Hitze: hoch Neutral
Essigessenz Mittel 0,30 – 0,50 € Greift Dichtungen an Riecht lange nach
Backpulver / Natron Niedrig 0,20 € Verstopfung möglich Neutral
Coca-Cola Mythos 1,50 € Verklebt Schrecklich

 

Spezial-Entkalker

Unsere klare Empfehlung. Die meisten Spezial-Entkalker basieren auf Zitronen- oder Milchsäure und enthalten zusätzlich Korrosionsschutz für Aluminium-Boiler und Dichtungen. Sie sind für Maschinen gemacht, nicht für Wasserkocher. Ja, sie kosten ein paar Cent mehr als Hausmittel. Bei einer 800-Euro-Maschine ist das eine vernachlässigbare Versicherung.

Tabletten sind in der Anwendung etwas einfacher: eine ins Wasser, fertig. Flüssig-Entkalker dosieren genauer, sind aber meist günstiger pro Anwendung. Beide tun, was sie sollen.

Zitronensäure

Funktioniert. Aber nur kalt. Sobald Zitronensäure auf über 60 °C erhitzt wird, reagiert sie mit Calcium zu Calciumcitrat. Das ist ein harter, schwer löslicher Stoff, der dann erst recht in deiner Maschine festsitzt. Wer Zitronensäure benutzt, muss das Programm "Kaltentkalkung" wählen oder vor dem Erhitzen abschalten. Bei Vollautomaten und Padmaschinen, die automatisch erhitzen, ist Zitronensäure ein No-Go.

Essig und Essigessenz

Funktioniert auf den Kalk, aber greift Gummidichtungen an. Über Jahre wird das Gummi spröde. Plus: Der Geruch hält sich hartnäckig. Selbst nach drei Spülgängen schmeckt der erste Kaffee oft noch nach Essig. Bei einer alten 30-Euro-Filterkaffeemaschine kannst du es machen. Bei einem 800-Euro-Vollautomaten würden wir uns nie trauen.

Backpulver und Natron

Backpulver ist Natriumhydrogencarbonat plus Säuerungsmittel. Natron ist nur Natriumhydrogencarbonat. Beide sind alkalisch oder leicht sauer und zu schwach, um echten Kalk zu lösen. Was sie können: oberflächlichen Belag im Wassertank wegwischen. Was sie nicht können: verkalkte Heizelemente befreien. Plus Risiko: Backpulver kann mit Zucker oder Säurerückständen klumpen und Leitungen verstopfen.

Coca-Cola und andere Internet-Mythen

Cola enthält Phosphorsäure. Die löst tatsächlich Kalk. Aber Cola enthält auch Zucker. Viel Zucker. Und Karamell. Was du nach einer Cola-Spülung in deiner Maschine hast: Kein Kalk, dafür eine klebrige Karamellschicht, die sich kaum noch herausspülen lässt. Wer das macht, hat danach ein größeres Problem als vorher.

Die Anleitung nach Maschinentyp

Jeder Maschinentyp braucht eine eigene Routine. Hier kommt das, was du wirklich tun musst.

Filterkaffeemaschine entkalken

Der einfachste Fall.

Schritt 1: Filter und Kaffeesatzbehälter herausnehmen. Glaskanne ausspülen.

Schritt 2: Wassertank halb mit kaltem Wasser füllen, dann die empfohlene Menge Spezial-Entkalker dazu (steht auf der Verpackung, meist 25 ml flüssig oder eine Tablette pro Liter). Bei Zitronensäure 1 Esslöffel pro Liter, aber Achtung: Filterkaffeemaschinen erhitzen, also ist Zitronensäure nicht ideal.

Schritt 3: Maschine starten, das gesamte Volumen durchlaufen lassen. Etwa nach der Hälfte ausschalten und 15 Minuten einwirken lassen. Dann den Rest durchlaufen lassen.

Schritt 4: Tank leeren, mit klarem Wasser füllen, Maschine zwei volle Tankladungen durchspülen. Unbedingt zweimal, nicht einmal.

Dauer gesamt: 30 bis 45 Minuten, davon 5 Minuten aktive Zeit.

Kaffeevollautomat entkalken (DeLonghi, Jura, Siemens, Melitta)

Die gute Nachricht: Vollautomaten haben in der Regel ein eigenes Entkalkungsprogramm. Du musst nicht raten.

Schritt 1: Wassertank leeren. Falls vorhanden, Wasserfilter herausnehmen, sonst neutralisiert er den Entkalker.

Schritt 2: Wassertank mit lauwarmem Wasser und der vom Hersteller angegebenen Menge Entkalker füllen. Bei DeLonghi sind das oft 100 ml flüssig auf 1 Liter Wasser, bei Jura wird die Tablette in den Tank gegeben. Lies die Bedienungsanleitung. Wirklich.

Schritt 3: Auffanggefäß unter den Auslauf stellen (mindestens 1,5 Liter Volumen). Entkalkungsprogramm starten. Die Maschine arbeitet jetzt 20 bis 40 Minuten selbstständig. Stör sie nicht.

Schritt 4: Spülgang. Tank gründlich ausspülen, mit klarem Wasser füllen, das Spülprogramm starten. Mindestens einmal, im Zweifel zweimal.

Spezialfall DeLonghi: Wenn die Entkalken-LED nicht blinkt, kannst du das Programm trotzdem manuell starten. Bei den meisten Modellen über das Menü oder durch gleichzeitiges Drücken zweier Tasten (Bedienungsanleitung).

Spezialfall Jura: Jura empfiehlt ausschließlich seine eigenen Entkalkungstabletten. Andere Spezial-Entkalker funktionieren auch, aber bei Garantiefällen ist es einfacher, wenn du dich an die Hersteller-Empfehlung hältst.

Siebträgermaschine entkalken

Etwas mehr Arbeit, aber kein Hexenwerk.

Schritt 1: Brühgruppe entfernen, Sieb und Siebträger separat reinigen.

Schritt 2: Wassertank mit Entkalker-Lösung füllen. Bei Siebträgern ohne automatisches Programm: Maschine einschalten, kurze Tassen ziehen, dann ausschalten und einwirken lassen (10 bis 15 Minuten). Dieser Zyklus zweimal.

Schritt 3: Auch die Heißwasser- und Dampfdüsen einmal aktivieren, damit die Lösung dort ankommt. Sonst bleibt die Hälfte unangerührt.

Schritt 4: Spülen, spülen, spülen. Mindestens drei volle Tankladungen mit klarem Wasser, alle Auslässe einmal aktivieren.

Bei Siebträgern mit Festwasseranschluss (gewerbliche Profi-Maschinen) macht die Entkalkung der Service-Techniker. Wer das selbst macht, riskiert Garantie und Maschine.

Padmaschine entkalken (Senseo, Philips)

Padmaschinen werden oft vergessen. Falsch, denn sie verkalken genauso schnell wie alles andere.

Schritt 1: Padhalter und Padbecher herausnehmen, leeren, ausspülen. Tropfschale leeren.

Schritt 2: Wassertank mit kaltem Wasser füllen, Spezial-Entkalker zugeben (bei Senseo: ca. 50 ml flüssig auf 1 Liter, bei anderen Modellen siehe Anleitung). Padhalter wieder einsetzen, kein Pad einlegen.

Schritt 3: Zwei Tassen Wasser durch das Pad-System laufen lassen, dann Maschine ausschalten und 15 Minuten einwirken lassen. Anschließend den Rest des Tanks durchlaufen lassen, in mehreren Tassendurchläufen.

Schritt 4: Tank zweimal mit klarem Wasser komplett durchlaufen lassen. Erst dann ist der Geschmack wieder neutral.

Kapselmaschine entkalken (Nespresso, Dolce Gusto, Tassimo)

Hier wird es markenspezifisch.

Nespresso: Die meisten Original-Modelle haben ein eigenes Programm, das durch eine Tasten-Kombination aktiviert wird (zum Beispiel beide Tassen-Tasten gleichzeitig 3 Sekunden halten). Spezial-Entkalker rein, Programm starten. Nespresso vertreibt eigene Entkalker-Sets, die funktionieren tadellos. Drittanbieter gehen auch.

Dolce Gusto: Hier gibt es keinen automatischen Modus. Du füllst den Tank mit Entkalker-Lösung, setzt den Hebel auf "Wasser" und lässt das gesamte Volumen durch. Dann Tank leeren, mit klarem Wasser füllen, mindestens zweimal komplett durchspülen.

Tassimo: Hier brauchst du den Tassimo-Service-Disc (liegt der Maschine bei). Den anstelle einer T-Disc einsetzen, dann das Entkalkungsprogramm starten. Ohne Service-Disc funktioniert es nicht.

Bei allen Kapselmaschinen gilt: Spezial-Entkalker, niemals Essig oder Cola. Diese Maschinen haben enge Leitungen, die schnell zugesetzt sind.

Vorbeugen ist besser als entkalken

Wer regelmäßig vorbeugt, muss seltener entkalken und seine Maschine hält länger. Drei Dinge wirken wirklich:

Wasserfilter im Tank

Die meisten Vollautomaten haben einen Steckplatz für Filter (BRITA, Claris, Aqua Aroma Crema). Diese Filter binden Calcium-Ionen, bevor sie ins Heizsystem gelangen. Resultat: bis zu 70 Prozent weniger Kalk-Eintrag. Filter müssen alle zwei Monate gewechselt werden, kosten 5 bis 10 Euro pro Stück.

Weiches Wasser nutzen

Wer keinen Filter im Gerät hat, kann gefiltertes Wasser von außen verwenden (BRITA-Tischfilter zum Beispiel). Oder direkt Volvic-Wasser benutzen, das ist von Natur aus weich. Mineralwasser mit hohem Calcium-Gehalt (Gerolsteiner, Apollinaris) hingegen ist Gift für deine Maschine.

Tank leer machen wenn du wegfährst

Stehendes Wasser im Tank ist ein Biofilm-Magnet. Vor dem Urlaub immer Tank leeren und trocken lassen. Wer sehr lange nicht da ist (mehr als 2 Wochen), bei der Rückkehr einmal kalt durchspülen, bevor der erste Kaffee kommt.

Und wenn dir gerade der Entkalker ausgegangen ist: Wir haben einen flüssigen Spezial-Entkalker und Reinigungstabletten in verschiedenen Größen direkt im Shop.

Häufige Fragen

Wie entkalkt man eine Kaffeemaschine am besten?

Mit einem Spezial-Entkalker (flüssig oder Tabletten) und dem maschineneigenen Entkalkungsprogramm. Tank leeren, Wasserfilter herausnehmen falls vorhanden, Entkalker-Lösung in der vom Hersteller angegebenen Konzentration einfüllen, Programm starten, danach mindestens zwei Tankladungen mit klarem Wasser durchspülen. Die ganze Prozedur dauert 30 bis 60 Minuten, je nach Modell.

Wie kann man eine Kaffeemaschine entkalken Hausmittel?

Bei einfachen Filterkaffeemaschinen funktionieren Zitronensäure (1 Esslöffel auf 1 Liter, nur kalt anwenden) oder Essigessenz (im Verhältnis 1:2 mit Wasser, aber nicht bei modernen Maschinen wegen der Dichtungen) als Hausmittel. Backpulver und Natron sind zu schwach, um richtigen Kalk zu lösen. Coca-Cola hinterlässt Zucker- und Karamellrückstände und ist trotz Internet-Mythos keine echte Lösung. Bei Vollautomaten und Kapselmaschinen vom Hausmittel besser abraten.

Wie entkalkt man am besten eine Kaffeemaschine?

Schritt für Schritt: Tank leeren und reinigen, Wasserfilter raus, Spezial-Entkalker mit lauwarmem Wasser im Tank ansetzen, das automatische Entkalkungsprogramm starten oder bei einfachen Maschinen die Lösung manuell durchlaufen lassen, dabei zwischendurch 15 Minuten einwirken lassen, anschließend zwei volle Tankladungen klares Wasser durchspülen, fertig. Wichtig: Spülgang nicht vergessen, sonst schmeckt der erste Kaffee nach Entkalker.

Was entkalkt besser, Zitronensäure oder Essig?

Zitronensäure entkalkt effizienter und neutraler als Essig, aber nur im kalten Zustand. Sobald sie auf über 60 °C erhitzt wird, bildet sich Calciumcitrat, ein harter Stoff, der erst recht in der Maschine bleibt. Essig wirkt auch warm, greift aber Gummidichtungen an und der Geruch hält sich hartnäckig. Wer eine Wahl hat: lieber Spezial-Entkalker. Der ist neutral, sicher und kostet pro Anwendung weniger als ein Cappuccino im Café.

Letzter Gedanke

Eine Kaffeemaschine ist kein Kühlschrank, der einfach läuft, bis er kaputt ist. Sie ist ein Werkzeug. Und Werkzeuge brauchen Pflege. Wer einmal pro Monat zehn Minuten investiert, hat eine Maschine, die zehn Jahre besseren Kaffee macht als eine, die nie angefasst wird.

Was du in der Zwischenzeit machst: gute Bohnen kaufen, Wasser im Tank wechseln und nicht über bitteren Kaffee schimpfen, ohne vorher in den Boiler geschaut zu haben.